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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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tion übernehmen. Programmatisch formuliert ein Steppenbewohner gegenüber dem Physiker und Raketenantriebstechniker Albert: „Die Steppe klagt dich an und wir sind die Steppe!“ (EIS 41) Demgegenüber werden Positionen angepran- gert, die diesen Atomkrieg verharmlosen oder als nötige Maßnahme darstellen mit Slogans wie „Unsere Waffen dienen dem Frieden!“ oder „Die Bevölkerung muss beruhigt werden!“ (EIS 35). Bemerkenswerterweise greift auch Kühnelt die Thematik der Atomapokalypse in Zusammenhang mit der Eroberung des Weltraumes auf, was damit zusammenhängen kann, dass Weltraumfahrt und Atomspaltung die Prestigeprojekte im Technikwettlauf der beiden Großmächte darstellten. Kühnelts Drama kritisiert den drohenden Verlust der Erde zugunsten des unbewohnten Mondes, der in den Köpfen der Menschen schon vorbereitet wird: „Albert: Wieso verschwindet unter uns die Erde? / Herr Co: Weil wir uns vorgestellt haben, ohne sie zu sein! Nun der Gedanke, auf dem Mond zu leben! Nicht nur besuchsweise wie die Astronauten, sondern für immer!“ (EIS 37) In einer Traumvision sieht Albert die Erde „zwischen den Sternbildern hin- unter[stürzen]. Eine graue Kugel, die immer kleiner wurde.“ (EIS 42) Herr Co bedauert den Verlust der Erde nicht, sondern strebt stattdessen nach ‚höheren‘ Zielen im Bereich der Technik und Naturbeherrschung (vgl. EIS 36). Cos Ziel ist nicht der Sieg in der militärischen Auseinandersetzung des Kalten Krieges, sondern der Gewinn von gleichsam göttlicher Macht durch technischen Fort- schritt: „Im Universum, an seinen vermeintlichen Grenzen wartet ein grösseres [sic!] Ziel! Um das es im Grunde immer ging!“ (EIS 49) Die konkreten histori- schen Bestrebungen in den Sektoren Raketentechnik, Raumfahrt und Kernspal- tung werden in Kühnelts Drama in einen weitgefassten, religiös gewendeten Rahmen menschlicher Hybris und Anmaßung gestellt. Dieser abstrakten For- mation gilt die Kritik dieses Dramas. Auch Rudolf Geists Augenzeuge Menschheit beinhaltet die Darstellung eines kata- strophalen Atomkriegs und möchte dadurch ebenfalls vor dem möglichen Krieg warnen. Der Text erzählt zunächst von einem Kriegsgeschehen auf einem fernen erdähnlichen Planeten, dem „Equivat“. Dieser Krieg wird zwischen einer Ost- (Sor- rel) und einer Westseite (Eewur) mit futuristischen Waffen geführt, wobei auch zeitgenössische Diskurselemente des Kalten Krieges wie die Spionage aus der Luft166 166 Am 9. November 1954 meldet die Österreichische Volksstimme einen „Luftzwischenfall im Fernen Osten“ und erklärt dies mit „Spionagemissionen der USA-Flieger. Dies ist nur einer von zahlreichen Artikeln von Presseorganen der unterschiedlichsten politischen Ausrichtun- gen zu Lufthoheitsstreitigkeiten zwischen den Kalten-Kriegs-Mächten, welche in der Zeitungs- ausschnitt-Sammlung der Wienbibliothek (N.N.: USA – Sowjetunion: Internationale Bezie- hungen, 1940/64. Sign.: TL  000462) gesammelt sind. Die erste hier aufzufindende Meldung stammt vom Wiener Kurier am 25.  April 1946: „Zwischenfall in Tulln. Am Ostermontag bedrohten sowjetische Flugzeuge ein amerikanisches“. Eine weitere erfolgt in derselben Zei- „Eine Genesis vom Ende.“ Atomapokalypsen in fiktionaler Literatur 345
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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