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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 347 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Hälfte des Erdkreises wird von der ‚heliogermanischen‘ Herrenrasse, die andere von den logischerweise gleichfalls siegreichen Japanern unterjocht.168 Damit wird eine Situation imaginiert, in der das Regime Hitlers erst zu einem Totalitarismus fähig geworden wäre, wie er laut Günther Anders im Atomzeit- alter gedacht werden muss: „Hitlers Totalitarismus war noch imperfekt. Erst ein atomares Monopol hätte die Krönung des nationalsozialistischen Systems bedeu- tet.“169 Basils Roman zeigt genau diese Horrorvision beider Seiten des Kalten Krieges, die sich aber– nicht zuletzt durch die Darstellung der Weiterentwick- lungen auf dem Waffensektor – auch klar auf die konkrete Situation der 1960er-Jahre beziehen lässt. Im Grunde spitzt er damit ähnlich wie Ulrich Bechers kurz nach 4, in dem der drohende Atomkrieg als Fortführung der Bedrohung durch den „totale[n] Krieg“ im Sinne Hitlers dargestellt wird, zu: „La guele d’Hit- ler spukt im ersten Atombombenpilz der Geschichte.“ (KV 71; kursiv im Orig.) In Hannelore Valencaks Roman Die Höhlen Noahs wird buchstäblich eine Atomapokalypse geschildert, wobei allerdings nicht primär Kritik an den Akteu- ren des Kalten Krieges geübt wird, sondern die Überlebensfähigkeit und der Lebenssinn der Menschheit insgesamt in Frage gestellt wird. Dabei wird an Nar- rativen wie dem biblischen Sündenfall oder dem Brudermord Kains die Schuld- fähigkeit von Menschen in einer säkularisierten Welt thematisiert. „Der Alte“ hat kein Vertrauen in einen Neubeginn der menschlichen Geschichte, da schon am Beginn der ersten mit Kain ein Brudermörder steht. Er ist aus diesem Grund froh über den Tod von Martinas Gefährten, denn dieser „hätte mit Martina ein Rudel blasser, unterernährter Rotschöpfe aufgezogen, die schon in der ersten Generation mit Steinen übereinander hergefallen wären“. (HN 98) Valencaks Roman entzieht sich noch stärker als die Texte von Kühnelt, Becher, Geist und Basil einer politischen Positionierung, welche von den beiden Lagern im Kalten Krieg als Anspruch an die Literatur gestellt wurde. Während aus westlicher Per- spektive die Schutzfunktion der atomaren Aufrüstung, und aus sowjetischer die Schutzfunktion des Atomprotests betont wird, kümmert sich Valencaks Text nicht um Fragen der Rüstung oder der Friedensbewegung, sondern er stattet seine Figuren mit einer potentiell feindseligen Natur aus und setzt sie einer eben- solchen Natur aus. Ähnlich tagespolitikfern ist Marlen Haushofers Roman Die Wand (1963) angelegt, in dem ein rätselhaftes Geschehnis eine unsichtbare Wand entstehen lässt. Dadurch wird die Protagonistin von ihrer menschlichen Umwelt getrennt, 168 Basil: Kleiner Idiotenführer durch den „Führer“. Typoskript, LIT, Nachlass Otto Basil, Signa- tur: 52/W1/4. Zum Teil zitiert in: Atze: Hitler und Holocaust im Konjunktiv, S.  120. 169 Günther Anders: Der Sprung [Blätter f. die dt. u. internationale Politik, August 1958]. In: Ders.: Die atomare Drohung, S.  11–23, hier S.  17. „Eine Genesis vom Ende.“ Atomapokalypsen in fiktionaler Literatur 347
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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