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nur der – warnenden – Gestaltung einer Endzeit, sondern oftmals auch der eines
neuen Anfangs zu. Dieser kann wie bei Geist in einer politischen Utopie beste-
hen, wie bei Kühnelt in einer moralischen Bekehrung oder wie bei Valencak und
Haushofer eine prekäre Situation mit offenem Ausgang bleiben. Gemeinsam ist
allen diesen Texten ihre Nonkonformität hinsichtlich der politischen Instru-
mentalisierung durch eine der beiden Lager im Kalten Krieg. Weder Geists poli-
tische Utopie, die sich auf das Vorbild der Schweiz beruft, noch der auf subjek-
tive religiöse Ethik aufbauende Ansatz Kühnelts entsprechen den diskursiven
Positionen der KP oder der dominanten Position in westlichen Gesellschaften.
Der weitgehend entpolitisierte und anthropologisch interessierte Zugang zur
Atomkriegsproblematik in Valencaks Roman leistet ebenfalls keine propagan-
distisch auswertbare Perspektive. Und selbst Basils Wenn das der Führer wüßte
und Bechers kurz nach 4, die konkrete historische politische Themen anspre-
chen, entziehen sich bei der Darstellung der atomaren Apokalypse politischer
Parteinahme: auf dem Spiel steht in diesen Darstellungen jeweils das Leben der
gesamten Menschheit – nicht die Vorherrschaft einer politischen Gruppierung.
Laura Schütz: Vor der Wand. Von der leitmotivischen Prägung einer (Nicht-)Daseinsmetapher
in Marlen Haushofers frühen Erzählungen. In: treibhas. Jahrbuch für die Literatur der
fünfziger Jahre 10 (2014): Österreich, S. 187–206, hier S. 198.
„Eine Genesis vom Ende.“ Atomapokalypsen in fiktionaler Literatur 349
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918