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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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9 SPIONAGE Auf einem überdimensionalen Panzerschrank im Kriegsministerium ist in Leucht- schrift zu lesen: NOT TO BE SEEN BY ANYBODY! [...] Neuerdings tragen Geheim- papiere den Stempel DBR. DESTROY BEFORE READING.1 Das Wissen vom Feind „Wir wissen es eben. Wir wissen fast alles.“ (LV 201) „Fragen Sie nicht, woher ich das weiß. Es stimmt.“ (LV 205) „Ich weiß es, das genügt doch, nicht wahr?“ (LV 32) „Das CIC weiß alles.“ (LV 471) Immer wieder wird in Johannes Mario Simmels Lieb Vaterland magst ruhig sein (1965) die Frage nach der Herkunft des geheimen Wissens brüsk abgeschnitten. Es entstammt offensichtlich dunklen Kanälen, denn in Simmels „spy story“ steht ein opulentes Figurenensemble im Zentrum, das sich zu einem Großteil aus Geheimdienstmitarbeitern oder von Geheimdiensten erpressten Personen zusammensetzt. Der Schauplatz des Rom- ans ist einer der Brennpunkte des Kalten Krieges, das geteilte Berlin, „the spy’s eternal city“,2 auch als „the heart of the intelligence war between the United Sta- tes and the Soviet bloc“3 bezeichnet. Zeitlich ist die Handlung um den dritten Jahrestag der Mauererrichtung angesiedelt, sodass bereits durch das Setting jene Trennung evident wird, die der Kalte Krieg konstruiert und die ihn konstituiert. Genau diese Bipolarität zweier verfeindeter Seiten ist die Voraussetzung für Spi- onageerzählungen, wobei beide Seiten glauben, dass ihre Situation durch ein bestimmtes Wissen über die andere Seite entscheidend verbessert werden kann. Im US-amerikanischen Raum werden dieses – militärisch und diplomatisch vorteilhafte – Wissen, seine Produktion und Institution als ‚Intelligence‘ bezeich- net: „What knowledge should the U.S. have about the future of other states in order to have the requisite foresight?“4 Das Interesse an diesem (Insider-)Wissen über den Gegner entstand freilich nicht erst im Kalten Krieg. „Espionage is the world’s second oldest profession“, 1 Dor, Federmann: Der politische Witz, S. 69. 2 John le Carré: The Secret Pilgrim. London: Hodder & Stoughton 1991, S. 22. 3 Donald P. Steury: Introduction. In: Ders. (Hg.): On the Front Lines of the Cold War. Docu- ments on the Intelligence War in Berlin, 1946 to 1961. 2.  Aufl. Washington, DC: Center for the Study of Intelligence 2000 [zuerst 1999], S.  xi-xvi, hier S.  xi. 4 Sherman Kent: Strategic Intelligence for American World Policy. Priceton/NJ: Princeton Univ. Press 1953, S.  40.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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