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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 358 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Superlative und Totalität: den Status der „größten Macht der Welt“ und das Leben „aller anständigen und friedlichen Menschen“. Kommunikationstechniken des Kalten Krieges: Funk, Radio und Dechiffrierung Ein anderes Beispiel für die Aufnahme aktueller Diskursstränge findet sich in Särge für Ohio. In diesem Text spielen codierte Botschaften, die per Funk gesen- det werden, eine zentrale Rolle. So ist der monoton gesendete Satz Särge für Ohio das erste Indiz für den Detektiv Grasill, das ihn zu einem Mister X führt, der mittels „Atombiologie“ (SO 33) lebende Tote erzeugt und gleichzeitig über Geheimwissen in Atomphysik sowie Kenntnisse in Funktechnik und Codie- rungsverfahren verfügt. Letztere waren im zeitgenössischen Diskurs häufig eng miteinander verschränkt. Die Sowjetunion verwendete seit 1927 einen Chiffrier- schlüssel namens ‚VENONA‘ für Funktelegramme, den ein amerikanischer Kryp- toanalytiker erst 1946 knacken konnte, was allerdings schon 1947 von einem sowjetischen Agenten entdeckt wurde.32 Die USA verfügten während der Jahre 1944 und 1945 über ein sehr erfolgreiches Projekt zur Decodierung verschlüs- selter Funknachrichten unter dem Codenamen ‚Ultra‘.33 Ein Spionageehepaar, das aus der DDR nach Österreich eingeschleust wurde, hatte zur Aufgabe siche- re Verstecke für Funkgeräte in Österreich ausfindig zu machen und zu platzie- ren.34 Die US-Besatzungsmacht wiederum half der österreichischen Regierung bei der Installation eines Spionagedienstes innerhalb des Bundesheeres, zu des- sen Hauptaufgaben ebenfalls das Abhören von chiffrierten Funkmeldungen – etwa aus dem grenznahen Bratislava – zählte.35 „Fast drei Viertel ihrer Informa- tionen gewinnen Geheimdienste aus der Funkaufklärung“,36 behaupten Tozzer und Tozzer. Die Übermittlung chiffrierter Nachrichten per Funk als Kriegstechnik spielt auch in Otto Basils Roman Wenn das der Führer wüßte (1966) eine Rolle, erfüllt jedoch eine vollkommen andere Funktion. Hier werden über den Rundfunk zwischen Propagandanachrichten zum eben ausbrechenden dritten und finalen Atomkrieg und der Berichterstattung zu Vorbereitungen des pompösen Begräb- nisses Adolf Hitlers immer wieder absurde Sätze gesendet, die offensichtlich eine 32 Vgl. Andrew, Mitrochin: Das Schwarzbuch des KGB, S. 208  f. 33 Carafano: Deconstructing U.S. Army Intelligence Operations, S. 61. Vgl. Beer: Rund um den ‚Dritten Mann‘, S.  79  f. 34 Vgl. Tozzer, Tozzer: Schattenmänner, S. 128. 35 Vgl. Tozzer, Tozzer: Schattenmänner, S. 24. Fuchs: Der österreichische Geheimdienst, S. 165  f. Möchel: Der geheime Krieg der Agenten, S.  14. Irnberger: Nelkenstrauß ruft Praterstern, S.  183– 191. 36 Vgl. Tozzer, Tozzer: Schattenmänner, S. 57. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 358 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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