Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Page - 367 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 367 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Image of the Page - 367 -

Image of the Page - 367 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text of the Page - 367 -

Der Spionagediskurs in der Nachkriegszeit umfasst Ereignisse und Praktiken, die mit starken Ängsten und Aversionen verknüpft waren. Spione konnten als bedrohliche oder heroische Vertreter einer Großmacht oder Partei, oder als deren Opfer konzipiert werden. Im Folgenden werden Spionagedarstellungen in der österreichischen Literatur besprochen, die oft klare Wertungen enthalten und die bipolare Logik von Freund und Feind perpetuieren. Dazu werden zunächst Darstellungen dezitiert westlicher Spionagefiguren analysiert, anschlie- ßend Darstellungen der Figur des ‚Ostspions‘. Abschließend folgt die Bespre- chung von Texten, welche die Konstruktion des Feindbildes Spion kritisch reflek- tieren oder auch dekonstruieren. Der Spion, der aus dem Westen kam – Held und Verräter Auguste (Wieghardt-)Lazars Kinder- und Jugendroman Sally Bleistift in Ameri- ka (1935/1947) versucht seinem Lesepublikum eine klare Botschaft zu übermit- teln. Die jugendlichen Identifikationsfiguren Redjacket und Billy betätigen sich für eine im Untergrund agierende Arbeiterbewegung in den USA, indem sie gemeinsam mit dem alten böhmischen Arbeiter Wenzel Swoboda kommunisti- sche Flugblätter herstellen. Diese politische Tätigkeit wird von der Polizei ver- folgt und muss geheim gehalten werden. Als die Polizei eines Tages unangekün- digt eine Hausdurchsuchung bei Swoboda durchführt, ist die geheime Zelle in Gefahr. Zum Glück für die Jugendlichen können sie die Schreibmaschine gera- de noch verstecken, da sie von ihrem Freund Jim, einem dunkelhäutigen Spei- sewagenkellner und Schwarzhändler, in konspirativer Manier gewarnt wurden. Nachdem die Flugblattwerkstatt beinahe entdeckt worden wäre, machen die Jungen sich Gedanken, wer sie „verpfiffen hat“ (SB 79). Jim erzählt, dass er soeben den Restaurantbetreiber George Grosser angetroffen, und dass dieser sich auf- fällig verhalten habe. Darauf angesprochen habe Grosser erzählt, dass Wenzel in seiner Bar verhaftet worden wäre, was ihn als „Freund von den Arbeitern“ (SB 80) verstört habe. Jim kommentiert: Na, ich kenne den George, ich weiß, daß es mit seiner Liebe zu den Arbeitern nicht weit her ist. Ich wette hundert gegen eins, der Schuft hat die ganze Geschich- urteil der amerikanischen Geschichte gefällt. Es gibt für diese Tatsache keine juristischen Grün- de – es gibt nur einen politischen Grund.“ Fritz Jensen: Korea und zwei unschuldige Menschen. Die wahren Hintergründe des geplanten Justizmordes. In: Tagebuch  8 (1953) H.  3, 31.1.1953, S.  4. Der Text zum Bild einer bekümmert blickenden, sich eng aneinanderschmiegenden Fami- lie lautet: N.N.: Das Gewissen der Welt revoltiert gegen den Justizmord. In: Tagebuch  8 (1953) H.  12, 6.6.1953, S.  8. Die Berichte und Erwähnungen dieses Falls im Tagebuch dauern bis ins Jahr 1955 an. Feindbild ‚Spion‘ – Ängste und Aggressionen im Spionagediskurs 367
back to the  book Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges