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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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deiner Staffelei hinsetzen und diese Objekte malen. [...] Beim Malen wird es sich selbstverständlich nicht vermeiden lassen, daß du mit den Leuten, die dort woh- nen und arbeiten, ins Gespräch kommst. Du lebst im Bezirk, bist schon ein wenig bekannt. [...] Du wirst zweifellos auch, um die Echtheit des proletarischen Milieus richtig wiedergeben zu können, das Innere von Fabriken besichtigen wollen. Man wird es dir kaum verweigern. Du wirst also Betriebe sehn, in die man sonst schwer hineinkommt. Dort redet man mit den Arbeitern, nicht wahr, erfährt Dinge, die man sonst nicht so leicht erfährt, na, und natürlich behält man diese Dinge nicht für sich, sondern gibt sie weiter, an gute Freunde – wie zum Beispiel an mich. Das ist alles. […] Die Bezahlung ist zweitausend Schilling im Monat.“ (HB 76  f.) Ferdinand soll sich ins proletarische Milieu – wo aus kommunistischer Perspek- tive die Keimzelle des Kommunismus liegt – einschleichen, um nicht näher spe- zifizierte Geheimnisse an einen Agenten des amerikanischen Geheimdienstes weiterzugeben. Er reagiert auf dieses Ansinnen sofort mit moralischen Zweifeln: „Also zu einem Agenten willst du mich machen! Glaubst du wirklich, daß ich mich zu so etwas hergeb?“ (HB 77) Nur durch Zwang kann Ferdinand zum CIC-Spitzel gemacht werden. Leo verfügt über Wissen aus einer unbekannten Quelle, mit dem er Ferdinand erpres- sen kann. Da Ferdinand fürchtet, in eine geschlossene Anstalt eingewiesen zu werden, wenn bekannt würde, dass er einen Selbstmordversuch hinter sich hat, kooperiert er mit dem amerikanischen Geheimdienst. Auch der Anwerber Leo Leitner ist nicht aus Überzeugung Agent des CIC, sondern durch seine Pädo- philie straf- und so ebenfalls erpressbar. Als Leo seine ehemaligen, bewunderten Universitätsprofessoren auf ähnliche „schwarze Punkte“ (HB 232) hin bespitzeln soll, sich aber weiterer Mitarbeit verweigert, wird er von seinen Auftraggebern ermordet. Der Text suggeriert, dass der CIC-Agent unter ständigen moralischen Selbstzweifeln litt, die er sich aber nicht anmerken ließ; nur einmalig und in einer „Katzenjammerstimmung“ erzählt er „aus welchen trüben Quellen seine Geldmittel stammten“. (HB 56) Wantochs Roman stellt die Spionage als moralisch verwerflich und als Ver- brechen dar, das die Figuren nur begehen, da sie dazu erpresst werden, und das sich in letzter Konsequenz auch rächt. Die völlige Skrupellosigkeit und Amora- lität der geheimdienstlichen Praktiken wird hier ausschließlich dem Westen zugeschrieben. Dass es auch sowjetische Spionageeinheiten und Erpressung zu sowjetischer Spionagetätigkeit gab, verschweigt der Text. Mit dem Gebiet der Wirtschaftsspionage greift Wantoch freilich ein historisch brisantes Thema auf. Informationen aus den USIA-Betrieben und insbesondere aus den Betrieben zur Erdölgewinnung gehörten zu den bestgehüteten Geheimnissen der sowjetischen Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 370 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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