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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 374 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Der Kampf um das geheime Wissen zerreibt den Wissensträger „zwischen den Fronten“. Der Auslöser dieses Vorgangs ist der Agent, der mit dem kriegs- wichtigen Wissen handelt und operiert, und der im Text als heimtückische, machtgierige Persönlichkeit gezeichnet wird, die den skrupellosen Machtkampf der Großmächte für ihre persönlichen Zwecke auszunutzen bestrebt ist. Ebenso wie in Donauballade wird die Figur des Spions als Repräsentant des Ostens mit negativ wertenden Attributen wie Dämonie, Bedrohlichkeit und moralischer Verwerflichkeit verbunden, obwohl die Stückintention in beiden Texten nicht primär auf eine explizite politische, sondern wesentlich mehr auf eine emotio- nalisierende Wirkung abzielt. Spionagegeschichten ermöglichen eben auch einen hohen Grad an Spannung und Dramatik. Staatsparanoia in Die Kleinen und die Großen Während in den bisher genannten Texten Spione als Figuren auftauchen, die tatsächlich für eine Seite im Kalten Krieg engagiert sind, zeigt Ulrich Becher in seiner Zauberposse Die Kleinen und die Großen (1955) Spione als Produkte para- noider Feindbildgenerierung durch eine Diktatoren-Figur, die ständig in der Furcht lebt, von Feinden ausspioniert zu werden. Eine solche Furcht und ent- sprechende Gegenmaßnahmen sind besonders für die Sowjetiunion, aber auch für die USA als Atommacht kennzeichnend. Bechers Posse nimmt so einen Aspekt der Politik beider Großmächte des Kalten Krieges aufs Korn. Die Antiheldenfigur General Valdemario Adolar hat die neueste, fiktive Atom- waffengattung, die Zinnoberbombe, die ihm die Weltherrschaft sichern soll, unter seine Gewalt gebracht und lebt nun in ständiger Angst vor dem Diebstahl seines geheimen Wissens und damit seiner Machtquelle. Den einzigen Mitwis- ser, den deutschen Physiker und Entwickler der Waffengattung, hat der Diktator bereits eigenhändig getötet, jedoch vermutet er überall Gefahr. Vom Chef seines Geheimdienstes wünscht er […] ein radikaleres Durchgreifen gegen die subversiven Elemente im Inland, die Hand in Hand arbeiten mit landflüchtigen Hochverrätern […]. Seit gestern wie- viele Verhaftungen? BUBÓN GRANDE: Hundertneunundachzig in Quion City nebst Bannmeile. ADOLAR: Wieviele in Cantagallo an Zinnoberspionen vollstreckte Todesurteile in diesem Monat? BUBÓN GRANDE: Bisher dreizehn, Vuestra Excelencia Absolutissima. (KG 303) Bechers satirisches Drama bildet einen Zerrspiegel der Angst der beiden Groß- mächte vor Atomspionage und ihrer undemokratischen, ja fallweise brutalen Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 374 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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