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und betätigten sich, um sich finanziell „über Wasser zu halten“,100 als Schreibende
in verschiedenen Sparten, als Übersetzer,101 Herausgeber, Verfasser von Kurzge-
schichten und Literaturbeiträgen in Zeitschriften.102 Auf das auch finanzielle Inte-
resse dieser Arbeiten spielt Dor im Nachwort zu Und einer folgt dem anderen an:
„Der erste Roman, ‚Internationale Zone ‘, den Reinhard Federmann und ich 1951
gemeinsam geschrieben haben, wurde für unsere Begriffe ein Erfolg. Eine gut
zahlende Illustrierte in München hatte ihn gekauft, aber nicht abgedruckt.“103
Laut Dor hatte die Illustrierte Revue den Roman aber gerade deshalb nicht
gedruckt, „weil die Redakteure ihn für zu ‚literarisch‘ hielten“.104 Tatsächlich
unterläuft der Roman Konventionen des Spionageliteraturgenres, die er gleich-
zeitig aufgreift. Diese selbstreflexive Wendung weist die Texte Dor/Federmanns
als literarische Produkte aus, die sich nicht nur in den Grenzen eines Genres
bewegen, sondern sehr bewusst und auch spielerisch mit diesem umgehen.
Agententhriller und Zeitkritik II: Johannes Mario Simmel: Lieb Vaterland magst
ruhig sein
Ebenso wie die Agententhriller von Dor und Federmann verbinden auch Roma-
ne des aus Österreich stammenden105 und äußerst erfolgreichen106 Schriftstellers
100 Milo Dor: Nachwort. In: Dor, Federmann: Internationale Zone, S. 239–241, hier S. 240. „Da
wir von unseren literarischen Erzeugnissen nicht leben konnten, beschlossen wir, etwas zu
schreiben, mit dem wir Geld zu verdienen hofften.“
101 Vgl. Milo Dor (Hg.): Die Pestsäule. In memorian Reinhard Federmann. Wien: Löcker & Wögen-
stein 1977, S. 194 u. 196.
102 Federmann und Dor steuerten sogar dem Österreichischen Tagebuch – in der Rubrik ‚Tri-
büne der Jungen‘ von Hermann Schreiber – je eine Passage aus einem unveröffentlichten Roman
zum Abdruck bei. Vgl. Reinhard Federmann: Ich heiße Mondschein und lebe noch. In: Öster-
reichisches Tagebuch 4 (1949) H. 7, Juli, S. 23 f. Milo Dor: Ein starker Schädel. In: Öster-
reichisches Tagebuch
4 (1949), H.
12, Dezember, S.
25
f. Dor hatte sich bereits 1947 in die-
ser Zeitschrift kulturpolitisch geäußert. Milo Dor: Für die Surrealisten, gegen den Surrealismus.
In: Österreichisches Tagebuch 2 (1947) H. 17, 10.5.1947, S. 11 f. Sowie: Milo Dor: Dafür.
Zur österreichischen Theaterforschung. Kritik der Kritik. In: Österreichisches Tagebuch
2
(1947) H. 31, 16.8.1947, S. 17.
103 Dor: Nachwort. Und einer folgt dem anderen, S. 187.
104 Ebd., S. 240.
105 Simmel hielt sich schon in seiner Kindheit zeitweise in England auf. Ab 1950 begann er seinen
Lebensmittelpunkt mehr und mehr nach München zu verlegen, ab 1953 lebt er definitiv dort.
Vgl. Martin Wedl: Johannes Mario Simmel. Journalist und Schriftsteller im Wien der Nach-
kriegszeit bis 1953. Eine Analyse. Wien: Dipl.-Arb. 2003, S. 21.
106 Simmels Bücher sollen bis zum Frühjahr 1978 weltweit eine Gesamtauflage von etwa 45 Mio.,
1998 von nahezu 73 Mio. erreicht haben. Vgl. Wolfgang R. Langenbucher: Johannes Mario
Simmel oder: Skizzen zu einer Theorie des Unterhaltungsromans In: Ders. (Hg.): ‚Berichte
Politische Unterhaltungsliteratur? 383
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918