Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Page - 392 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 392 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Image of the Page - 392 -

Image of the Page - 392 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text of the Page - 392 -

Eine Satire über den Kalten Krieg: Die Abenteuer des Herrn Rafaeljan Im Nachwort zur 1996 erschienenen Wiederauflage des „politischen Thriller[s]“121 Die Abenteuer des Herrn Rafaeljan unter dem Titel Und wenn sie nicht gestorben sind  ... schreibt Milo Dor über den Roman, der in Zusammenarbeit mit Rein- hard Federmann entstanden ist: „Es handelt sich um einen politischen Thriller, wie sie Eric Ambler oder Graham Greene schrieben. Wir wollten eine Satire über den Kalten Krieg und das Handwerk der Politik schreiben, das von manch ande- ren Autoren mit tiefem Ernst behandelt wurde.“122 Der Protagonist des Romans, der Journalist Erwant Rafaeljan ist in einem fiktiven Land namens Illyrien gebo- ren, das als nicht-kommunistisches osteuropäisches Land geschildert wird und in manchem an Österreich erinnert, und in einem anderen namens Dazien auf- gewachsen, das Ähnlichkeiten zu verschiedenen Westbalkanstaaten aufweist. Dazien ist daran interessiert, auf westliche Länder einen politisch stabilen und soliden Eindruck zu machen, während jedoch ein untergründiger Bürgerkrieg zwischen zwei Lagern schwelt, der Nationalen Liga (NL), die mit der Sowjetuni- on kooperiert, und der Nationalen Front (NF), die gegenwärtig an der Macht ist und mit westlichen Staaten kooperiert. Rafaeljan gehörte zunächst der ersten Nationalen Liga, einer Untergrundbewegung gegen eine feudale Diktatur, an. Als diese an die Macht gekommen war, spaltete sie sich in die NF und die in den Untergrund abgedrängte NL, mit der Rafaeljan zunächst sympathisiert, deren Korruption ihn aber dann ebenso abstößt wie jene in der regierenden Partei. Als Konsequenz wird er von beiden Parteien verfolgt und muss ins Exil flüchten. Zu Beginn der Romanhandlung kehrt er zurück, um eine Reportage für das Pariser Sensationsblatt zu schreiben, bei dem er angestellt ist. Durch seine Tätigkeit als Korrespondent einer ausländischen Zeitung wird er aber zwangsläufig zu einer Art Spion, da er Informationen sammelt und weitergibt. So wird – wie in ande- ren Agententhrillern Dor/Federmanns – ein Schlaglicht auf die Nähe zwischen Schriftsteller und Spion, die beide mit Wissen und Fiktionen arbeiten, geworfen. Als ausländischer Agent wider Willen wird Rafaeljan zum Mittelpunkt der Machtkämpfe im dazischen Bürgerkrieg. Schon bei seiner Zugfahrt nach Dazi- en wird er bald von „zwei stämmige[n] Herren“ (AHR 24) eskortiert, die er als Agenten einer der dazischen Parteien identifiziert. Es stellt sich heraus, dass die beiden von General Puccini, dem dazischen Innenminister, abgestellt wurden, um Rafaeljan als „Agenten“ des Auslandes zu verhaften und zu verhören. Als der dazische Informationsminister Makartian General Puccini anhält, seinen Haftbefehl gegen Rafaeljan zu revidieren, erschrickt dieser: „[W]ie war er hinter 121 Dor: Nachwort. Und wenn sie nicht gestorben sind  ..., S. 201–203, hier S. 202 [im Folgenden abgek. AHR]. 122 Ebd., S. 202  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 392 9 Spionage
back to the  book Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges