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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 393 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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seine letzten Geheimbefehle gekommen? Dieses Innenministerium mußte voll Spitzel und Verräter stecken. [...] Warum spielte dieser Schnüffler auf seine Jugend an?“ (AHR 25) Im Laufe der Szene fühlt sich Puccini immer wieder bedroht, da Makartian eine Reihe heikler Punkte in seiner Biographie erwähnt, die er geheimzuhalten bestrebt ist. Solche übertreibenden Wiederholungen prä- gen zusammen mit der karrikierenden Figurenzeichnung den satirischen Stil des Textes.123 Puccinis ostentativ dargestellte Angst vor dem „Schnüffler“ Makartian ver- deutlicht, dass selbst innerhalb einer Fraktion Misstrauen, Verdächtigungen und Machtkämpfe herrschen, Geheimnisse bestehen und verdeckte Informationsbe- schaffung stattfindet. Diese Verhaltensweisen prägen auch die Beziehungen zwi- schen den beiden Bürgerkriegsfraktionen und die zum Ausland. Dabei instru- mentalisieren die beiden dazischen Parteien den Kalten Krieg, um ihre Macht durch Kooperationen mit Ost- bzw. Weststaaten zu stärken, haben allerdings hauptsächlich den nationalen Machtkonflikt im Auge. Dies zeigt sich, wenn die NF, die zunächst zum Westen tendiert, einen Pakt mit der Sowjetunion schließt, der den Verrat der NL zur Bedingung hat. Dass dieselben Verhaltensweisen beide Seiten prägen, wird ebenfalls auf sati- rische Weise dargestellt, indem spiegelverkehrt jeweils ein Funktionär der NF und der NL einen Anschlag auf Rafaeljan einleitet, der auf Befehl eines ranghö- heren Funktionärs wieder zurückgezogen wird. Als Puccini daraufhin annimmt, Rafaeljan müsse mit der Liga konspirieren, da er von dieser nicht angegriffen wird, erklärt Makartian den Sachverhalt damit, dass beide Seiten nach densel- ben Prämissen handeln, was die vehemente Gegnerschaft als lächerlich erschei- nen lässt: „Können Sie sich nicht vorstellen, daß es auf seiten der Liga ebenso intelligente Menschen gibt wie uns beide, Leute also, die sich sagen: Diesem Rafaeljan darf nichts passieren.“ (AHR 71) Der Text macht sich auch über literarische Konventionen des Spionagethril- lers lustig. So besitzt die Nationale Liga einen als Blumengeschäft getarnten Geheimdienst, der auch für Auftragsmord und Sabotage zuständig ist. Dort bedient man sich eines Codes, in dem etwa „Tulpen“ für „Dynamit“ stehen. Als eine „Tulpenlieferung“, die zur Sprengung einer Ölleitung eingesetzt werden soll, verloren geht, wird sofort vermutet, die Polizei der Gegenfraktion könnte den Saboteuren auf die Schliche gekommen sein. Jedoch stellt sich heraus, dass die Lieferung an einen Sekretär ging, der den Code nicht kannte und die vermeint- liche Tulpenlieferung in seinen Fahrradschuppen einlagerte. Solche Handlungs- elemente brechen mit den Konventionen der ‚heroic spy fiction‘ und konstitu- 123 Vgl. Stefan Maurer, Doris Neumann-Rieser: Komik im Kalten Krieg? Satirische und groteske Elemente in der österreichischen Literatur der 1950er Jahre. In: treibhaus. Jahrbuch für die Literatur der fünfziger Jahre  8 (2012): Komik, Satire, Groteske., S.  52–70. Spionageparodien, -satiren, -grotesken 393
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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