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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 396 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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dem Nichts Verdachtsmomente auf, die nicht etwa nur den Reisenden zum Gegenstand der biotechnisch und informationstechnisch elaborierten Untersu- chungsmaschinerie werden lassen, sondern ebenso alle Beamten, die mit ihm in Berührung kommen, als ob sie von ihm kontaminiert sein könnten (vgl. Kapi- tel  12: Kunst im Kalten Krieg). Seine „Begleitstaffel“ wird in Untersuchungshaft genommen, absurderweise da sie einen Verdächtigen ins Land begleitet hat. Dem Beamten, der eine Sonderbewilligung für den Aufenthalt ausstellt, ergeht es ebenso, weil er die Nase des Reisenden als „spitz“ vermerkt, obwohl es laut Pass „stumpf“ heißen müsste. Diese Fehler der Beamten werden im paranoiden Sys- tem Totaliforniens als Angriffe durch den inneren Feind decodiert, der durch diese Decodierungspraxis erst generiert wird. Der Text häuft groteskes Beispiel auf Beispiel: Der Bote, der eine Probe der als Reiseproviant mitgeführten Wurstsemmeln des Protagonisten in ein Labor bringen soll, wird inhaftiert und seines Mageninhalts beraubt, da er die Proben nicht abgeliefert, sondern aufgegessen hatte. Er gerät so in Verdacht, Beweisma- terial vernichtet zu haben. Schließlich tauchen absurde Geständnisse auf, wie jenes der Tante, sie hätte vergiftete Wurstsemmeln für einen Anschlag auf füh- rende Personen Totaliforniens von ihrem Neffen aus dem Ausland in Empfang nehmen sollen. Der Protagonist wird durch solche ‚Tatsachen‘ eindeutig als Agent einer feindlichen Macht ausgewiesen und für tot erklärt, da er die vermeintlich vergifteten Wurstsemmeln verzehrt habe. Dass der Protagonist freilich lebt, straft den Informationsapparat des totalitären Staates Lügen und macht evident, dass die scheinbar auf Fakten beruhende Untersuchung diese Fakten selbst erschafft. Das vermeintliche Geheimnis ist wiederum eine leere Größe, die nur in ihrer Hülle besteht und die nur duch die Annahme, es müsse ein Geheimnis geben, generiert wird. Dieselbe Logik, die in einer Person einen feindlichen Agenten oder Spion vermutet, erschafft erst den Feind. Mittels Übertreibung, Serialisie- rung und grotesker Logik machen außer der Erzählung Abenteuer in Totalifor- nien auch die Satiren und Parodien von Merz und Qualtinger bzw. Dor und Federmann in je unterschiedlichen Genres auf diese Prozesse aufmerksam. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 396 9 Spionage
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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