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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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men legitimieren können. Dabei lassen sich freilich Unterschiede bemerken, da Kurella von einem „wuchernden Geschwür“ spricht und die Dringlichkeit seiner Vernichtung sowie auch der durch Ansteckung gefährdeten – noch gesunden – „Zellen“ damit noch unterstreicht. Krankheitsmetaphern, die ein Feindbild gene- rieren, weisen Differenzierungen auf, die je spezifische Feindbilder zur Folge haben.7 Metaphern, die eine Ansteckungs- oder Ausbreitungsgefahr evozieren, unterscheiden sich beispielsweise in ihren politischen Implikationen von Meta- phern des Fremdkörpers, des Parasitären oder der Zersetzung. Kriegssituationen begünstigen generell die Verwendung von Metaphern, welche die Gegenseite diffamieren und angreifbar machen. Sie charakterisieren etwas als fremd oder schädlich für eine politische Einheit, die im Bild eines orga- nischen Körpers gefasst wird. So wird ein hohes Identifikationspotential für die politische Einheit geschaffen und zugleich werden aggressive Potentiale gegen- über dem Objekt der Diffamierung mobilisiert. Dieses Mechanismus’ bediente sich auch die nationalsozialistische Propaganda ausgiebig. So inszenierte sich Hitler als Arzt des deutschen ‚Volkskörpers‘, der ‚Heil‘ auch im Sinn von Heilung zu bringen versprach.8 Die vermeintliche Krankheit, gegen welche der Natio- nalsozialismus auftrat, wurde durch vielfältige Metaphern wie Syphilis, Pest, Tuberkulose, aber auch Metaphern der Schädigung durch Gift oder Parasiten diskursiv geschaffen.9 Für die Zeit des Kalten Krieges lässt sich in der österreichischen Literatur ein doppelter Befund stellen: Nach dem eklatanten Missbrauch der Metaphorik von Krankheit und Gesundheit im Rahmen der biologistischen Feindbildideologie des Nationalsozialismus zeigt sich eine starke gegenläufige Tendenz, welche die Verwendung aggressiver Feindbildmetaphorik kritisiert. Trotzdem bleibt aber innerhalb des Diskurses auch die Option bestehen, durch den Einsatz von abwer- tenden und diffamierenden Krankheits-, Schädlings- und Schwächungsmeta- phern bestimmte Feindbilder zu errichten und der Aggression auszusetzen.10 Es liegt nahe zu fragen, welche Metapherngruppen dabei zum Einsatz kommen 7 Vgl. Daniel Weiss: Ungeziefer, Aas und Müll. Feindbilder der Sowjetpropaganda. In: Philipp Sarasin (Hg.): Fremdkörper. Innsbruck, Wien, Bozen: Studien-Verl. 2005 [= Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften  16 (2005) H.  3], S.  109–122, hier S.  109. 8 Vgl. Daniel Schäfer: Heil bei Hitler. Geschichte und Mißbrauch einer medizinischen Metapher. In: NTM International Journal of History & Ethics of Natural Sciences, Techno- logy & Medicine  13 (2005) H.  3, S.  168–184. 9 Vgl. Schäfer: Heil bei Hitler, S. 177  f. 10 So findet sich im Tagebuch die drastische Schlagzeile: Sigmund Mayerhof: Krebsgeschwür McCarthyismus. In: Tagebuch  9 (1954) H.  1, 2.1.1954, S.  3. Die Krebsmetapher, die zu den aggressivsten im analysierten Diskurs zählt, wird in den literarischen Texten, die im Rahmen des Projekts untersucht wurden, nur sehr selten verwendet. Susan Sontag ist der Ansicht: „Krebs bleibt die radikalste aller Krankheitsmetaphern.“ Sontag: Krankheit als Metapher, S.  73. Feind = Krankheit 399
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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