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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Organismus schädigende, Bedrohungen verwendet, um aggressive Maßnahmen zu provozieren und zu legitimieren. In den USA verband sich das Feindbild des Kommunismus mit einer „germophobia“,23 die durch europäische Emigranten und Emigrantinnen ausgelöst wurde. Es entstand das Bild einer von außen (Euro- pa) in die USA eindringenden Problematik, die mit dem Bild einer Infektions- krankheit gefasst werden konnte. Brian Diemert hält fest: Communism in the Cold war era was routinely figured as contamination, an inva- sion of the body politic that challenged the nation’s immune system and corrupted the hearts, minds, and bodies of healthy Americans.24 Er verweist auf Beispiele in amerikanischen Filmen, die das Bild der Bedrohung des (amerikanischen) Körpers durch vergiftetes Wasser25 (Dr. Strangelove, 1964) oder der Manipulation des Denkens von Amerikanern und Amerikanerinnen durch ‚Brainwashing‘ nach dem Modell des Films The Invasion of the Body Snatchers (1956) als Angstvisionen verbreiten. Gefürchtet wurde vor allem die infektionsartige Ausbreitung der kommunistischen Ideologie, sowohl innerhalb der USA als auch im weltpolitischen Maßstab. US-Außenminister Dean Ache- son verglich die Ausbreitung des Sowjetkommunismus im Nahen Osten mit dem Fortschreiten von Fäulnis innerhalb einer Kiste von Äpfeln, wobei ein fauler Apfel die anderen ‚anstecke‘.26 George Kennan vergleicht in seinem „Langen Telegramm“ den Kommunismus in den USA mit einem Parasiten, der nur kran- kes oder schwaches Gewebe befallen kann: „Much depends on health and vigor of our own society. World communism is like a malignant parasite which feeds only on diseased tissue.“27 Hier wird vor jeglicher eigenen Schwäche gewarnt, da durch diese eine wei- tere Schwächung durch den Feind droht. Ganz ähnlich mutet es an, wenn Chruschtschow die Selbstkritik der Sowjetunion in der Entstalinisierungsperi- ode als ein gefundenes Fressen für den Westen – metaphorisiert als Parasit – 23 Diemert: Uncontainable Metaphor, S. 33. 24 Diemert: Uncontainable Metaphor, S. 34. 25 Die Verwendung der Giftmetapher war allerdings auch in der sowjetischen Feindbildrhetorik weit verbreitet. Vgl. Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten, S.  40  f. Dieses Moment des Unsichtbaren am ‚Feind‘, der „unsichtbare[n] Macht der Bürgerwelt“, verbindet Ernst Fischer in einem frühen Text mit „Bazillen und Toxine[n]“. Ernst Fischer: Roman des Bürger- kriegs. Ein Vorwort zur Trilogie ‚Der Leidensweg‘ von Alexej Tolstoj. In: Ders.: Kunst und Menschheit. Essays. Wien: Globus 1949, S.  7–34, hier S.  31. 26 Vgl. Fischer: Kunst und Menschheit, S. 31. 27 George Kennan: Telegramm an den US-Staatssekretär Harry S. Truman am 22. Februar 1946. Online zugänglich in „Harry  S. Truman Presidental Museum and Library“: https://www.tru- manlibrary.org/ [zuletzt aufgerufen 11.4.2017], S.  19. Feind = Krankheit 405
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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