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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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11 FRIEDEN, FREIHEIT, PROPAGANDA: RHETORIK IM KALTEN KRIEG Sprache und geteilte Welt In Johannes Mario Simmels Lieb Vaterland magst ruhig sein (1965) spielt Wil- helm Bräsig, Beamter im Staatssicherheitsdienst der DDR und Spezialist für Verhöre, der sich nicht gern von politischen Systemen vereinnahmen lässt, ein Spiel namens „ABC kommunistischer Schlagwörter“ (LV 263). Bräsig hat dafür eigene Regeln aufgestellt. So müssen es bei jeder Runde andere ideologische Phrasen des marxistisch-leninistischen Wortschatzes sein, die er in alphabeti- scher Reihenfolge aufsagt. Auch die Geschwindigkeit spielt eine Rolle, sein bis- heriger Rekord liegt bei „fünfundfünfzig Sekunden“ (LV 263): Abweichlertum. Bürgerlicher Nationalismus. Chinesischer Bruder. Dogmatismus. Eheweihe. Formalismus. Gleichmacherei. Herdentrieb. Innerparteiliche Demo- kratie. Jahresplan. Kader. Leninismus. Materialismus. Neutralismus. Objektivis- mus. Personenkult. Revolutionäre Wachsamkeit. Sektierertum. Trotzkistische Umtriebe. Ulbricht. Volksdemokratie. Wallstreet-Bestien. Zentralkomitee. (LV 263) Dieses Beispiel, das auf ironische Weise zentrale Begriffe des offiziellen DDR-Wortschatzes aneinanderreiht, veranschaulicht das Spannungsfeld, dem Sprache und Wortschatz während des Kalten Krieges unterworfen waren. Brä- sig hätte für ‚A‘ auch „Arbeiter- und Bauernstaat“, für ‚K‘ „Konterrevolutionär“ oder für ‚S‘ „Schädling“ verwenden können. Denn es gab unzählige Begriffe die (zumeist auch ein und dasselbe, nämlich den „Feind“ bezeichneten), die im offiziellen Diskurs der DDR eine Rolle spielten. Die von Bräsig verwendeten Politphrasen verdeutlichen, dass die östliche und westliche Sphäre nicht nur durch einen sich physisch manifestierenden Eisernen Vorhang, sondern auch durch einen „eisernen Sprach-Vorhang“1 voneinander getrennt waren. Die mit- einander in Konkurrenz stehenden Supermächte okkupierten Territorien und Ideologien, ebenso bestimmte Wörter, Phrasen und Begriffe, die ihre ideologi- schen Positionen bezeichnen sollten. Der Kalte Krieg war, wie zahlreiche Unter- 1 Hellmut Kotschenreuther: Der eiserne Sprach-Vorhang: Anmerkungen zum ostdeutschen Duden. In: Forvm  5 (1958) H.  53, S.  187.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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