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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 434 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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spiegelt sich in Österreich etwa in einer Broschüre des „Sowjetischen Informa- tionsdienstes“ mit dem Titel: Der amerikanische Imperialismus, der ärgste Feind der Völker10 wider, während mit Exklamationen wie „McChartismus [sic!] – der Weg zum Faschismus“ die USA mit einem faschistischen Regime gleichge- setzt wurden.11 Die antikommunistische Rhetorik dämonisierte die Kommu- nisten dadurch, dass sie die dem Westen zugeschriebenen Qualitäten, wie Individualität und Menschlichkeit, vom kommunistischen Feind subtrahierte. Der ‚neue sowjetische Mensch‘ wurde karikiert als Zombie oder Roboter, die Expansion des Kommunismus als eine Krankheit figuriert, die sich im kollekti- ven politischen Körper festsetzte (vgl. Kapitel  10: Feindbilder – Krankheitsbil- der). Im Roman Die Nachzügler (1961) von Rudolf Henz geht der ungarische Geschichtsprofessor Stefan Nagy davon aus, dass sich die Existenz sowohl des Ostens als auch des Westens zu großen Teilen auf ihre jeweiligen Propaganda- begriffe stützt und sich die beiden Systeme erst dadurch als lebensfähig erwei- sen: „Ich bin heute […] überzeugt, daß diese unsere Welt, die westliche und die östliche, die freie und die durchgeplante, nur von falschen Begriffen existiert und existieren kann.“ (NZ 5) Als Flüchtling, der in den Nachwehen des Unga- rischen Volksaufstandes 1956 seine Heimat verlassen muss, sind ihm die Rhe- torik und die Propagandabegriffe des Westens und auch des Ostens nur zu gut bekannt. Der Text stellt Nagys Überlegungen hinsichtlich der von Ost und West umkämpften Begriffe an den Beginn und führt in die Kontroversen ein, die Nagy im Folgenden mit zahlreichen Figuren führt. Er glaubt, dass im Westen „ein totales Durcheinander von falschen und echten Begriffen“ (NZ 244) herrsche, da hier „leicht erkennbare, einheitlich ausgerichtete, deklarierte falsche Begrif- fe“ verwendet würden, worunter für ihn Phrasen wie „Demokratie in den Volks- demokratien, Fortschrittlichkeit der radikalen Marxisten“ (ebd.) etc. fallen. Nagys Strategie besteht darin, anstatt diese politischen Begriffe zu reproduzieren und der damit einhergehenden „allgemeinen babylonischen Begriffverwirrung“ (NZ 211) Vorschub zu leisten, auf ein vorgeblich den Ideologien abschwörendes Sys- tem, den katholischen Glauben, zu setzen. Er versucht seine Positionen mit mis- sionarischem Gestus seinen Diskussionspartnern näherzubringen, ist sich jedoch bewusst, dass er einen Kampf gegen Windmühlen führt und gesteht sich seine „intellektuelle Donquichotterie“ (NZ 244) schlussendlich ein. Der an den Anfang des Romans gestellte naive Wunsch Nagys, ein „eindeutige[s] Begriffswörter- 10 So der Titel einer Propagandabroschüre des Sowjetischen Informationsdienstes, die 1951 in Wien erschien. 11 Vgl. Barbara Dissauer: „Kampf für die Wahrheit, Kampf für den Frieden.“ Die Sowjetischen Informationszentren in Wien von 1950 bis 1955 im Spiegel ihrer Programmplakate. Eine dis- kursanalytische Untersuchung. Wien: Univ.-Dipl. 2007, S.  137  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 434 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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