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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 437 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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missbraucht. Unmissverständlich ordnet Willerts Argumentation sich nahtlos in die verbreitete westliche Kritik ein, die hinter dem vom Osten propagierten „Frieden“ nur eine leere Worthülse sieht, welche die Realität in den Ländern des realen Sozialismus sowie die wahren Absichten des totalitären Regimes verschlei- ern soll: Frieden, dachte ich. Kein anderes Wort wurde so oft mißbraucht. Auf den Stra- ßen brüllte es der Pöbel, wenn er die Fäuste gegen die ‚westlichen Imperialisten‘ schwang, und die Rohlinge der Sicherheitspolizei stießen es hervor, während sie ihre Opfer bewußtlos schlugen. Im Namen des Friedens war alles erlaubt, sogar der Krieg. (ST 258  f.) Es ist also Gewalt und das Gegenteil des eigentlichen Wortsinnes, nämlich der Krieg, der sich, so die Interpretation Willerts, hinter den Aufrufen zum Frieden, die der Osten lautstark propagiert, verbirgt. Die Okkupation von Begriffen durch die kommunistische Propaganda und das ganz andere Begriffsverständnis des Westens führte – nicht nur im Fall des Wortes „Frieden“ – zur Entstehung von Homonymen. Dies bezeichnete der renommierte Sprachwissenschaftler Leo Weisgerber als das „Allerschlimmste“, denn dadurch würde der Zweck der Spra- che ad absurdum geführt, da die Supermächte aneinander vorbeireden und nicht an die Quelle dieses „Sich-Verfehlens“ herankommen würden,15 wodurch ein Dialog und der Abbau der Feindbilder erschwert würde. „Frieden“ werde hier definiert als „kampfloser Sieg des Kommunismus“, während der „geringste Ver- such, sich dem Sieg des Kommunismus zu widersetzen, […] unter ‚Kriegshetze‘ nachzuschlagen ist“,16 hat Friedrich Torberg festgestellt. Torberg verstand das „Ringen um das Wort, um die Sprache“ wie es in der Konfrontation der Super- mächte zu Tage trat, als Aufforderung, in der Ausdrucksweise „künftighin auf peinlichste Sprachpräzision bedacht zu sein“ und forderte dazu auf, das Wort „Frieden“ durch umständliche Nominalattribute wie „Friede in Freiheit“ oder „Friede mit ungehinderter Religionsausübung“ zu spezifizieren17. Auf der anderen Seite wird der „Frieden“ als etwas dem Kommunismus gleich- sam naturgemäß Inhärentes definiert, die Feinde des Kommunismus damit auto- matisch zu Feinden des Friedens erklärt, wie im „Kleinen Wörterbuch der mar- xistisch-leninistischen Philosophie“ nachzulesen ist. „Frieden“ wird hier definiert als ein 15 Leo Weisgerber: Die deutsche Sprache im kalten Krieg: Sprachliche Entfremdung zwischen West und Ost. In: Deutsche Rundschau  89 (1963) H.  6, S.  42–49, hier S.  49. 16 Friedrich Torberg: Gespräch mit dem Feind? Contra. In: Forvm  1 (1954) H. 1, Jänner, S. 11–15, hier S. 15. 17 Ebd. Sprache und geteilte Welt 437
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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