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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Der „Kampf“ um die Freiheit Der Kampfbegriff, dessen sich der Westen bediente, um die Sowjetunion als den Hort von Unterdrückung und Antiindividualismus darzustellen, war „Freiheit“. Bereits Viktor Kravchenko, der 1943 im Dienst der Sowjetunion als Direktor der Abteilung Kriegsrüstung der UdSSR nach Washington ging und ein Jahr später zum Westen überlief, gab seinem autobiographischen Bericht, einem Bestseller im Kalten Krieg, den Titel I choose Freedom (1946; dt. 1947: Ich wählte die Frei- heit). Das zentrale und integrative Konzept „Freiheit“ bezeugt auch Arthur Koest- lers Parole „Freunde, die Freiheit hat die Offensive ergriffen“33 auf dem „Kon- gress für kulturelle Freiheit“ (CCF) 1950 in Berlin, nachdem das „Manifest für freie Menschen“ verlesen worden war. Die Gründung des CCF ging auch auf die Bestrebungen westlicher Akteure zurück, der Propaganda der zahlreichen „Frie- denskongresse“, die von den Kommunisten und deren Sympathisanten domi- niert wurden, kritische Positionen entgegenzusetzen. Das gemeinsam mit dem Schriftsteller Manès Sperber34 verfasste Manifest bestimmte „Freiheit“ zum zen- tralen Wert, indem es die Restriktionen des Ostens zur Negativfolie für die Frei- heiten des Westens machte und damit „heterodoxe Entwicklungen innerhalb des Marxismus“35 aufgriff. Das Manifest dekuvrierte auch die kommunistischen Friedenskongresse: Die Geschichte lehrt, daß man Kriege unter jedem beliebigen Schlagwort vor- bereiten und führen kann, auch unter dem Schlagwort des Friedens. ‚Friedens- kampagnen‘, hinter denen kein Beweis eines echten Friedenswillens steht, glei- chen dem Papiergeld einer ungedeckten Währung. Die Welt wird erst dann geistig gesunden und ihre Sicherheit wiederfinden, wenn dieses Falschgeld des Friedens nicht mehr für bare Münze genommen wird.36 33 Vgl. Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive, S. 245. 34 Manès Sperber merkt in einem Memorandum bezüglich des ersten CCF, das sich in seinem Nachlass erhalten hat, an, dass die „Freiheit“, die hier akzentuiert wurde, sich nicht nur gegen die Sowjetunion, sondern auch gegen den Faschismus sowie das autoritäre Regime eines Joseph McCarthy richtete: „Yet, the Congress kept away from any manichean position. We fought in the same time every brand of fascism as well as reactionary authoritarian regimes and McCart- hism and its likes. This we had to do in order to defend the freedom for everyone and particu- larly the freedom of the intellectual to search the truth, which involves his duty to spread it as far as possible and fight for it if it is endangered.“ zit. n. Marcus  G. Patka, Mirjana Stančić (Hg.): Die Analyse der Tyrannis. Manès Sperber 1905–1984. Wien: Holzhausen 2005, S.  118. 35 Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive, S. 176. 36 N.N.: Manifest. In: Der Monat 3 (1950) H. 22/23, S. 482. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 442 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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