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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 448 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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gedruckten Broschüren unter die Arme geklemmt“ haben, die „voll waren mit prächtigen Photos und zukunftsträchtigen Statistiken“ und nach ihrer Rückkehr im Westen „jedermann von dem wunderbaren Leben im Arbeiterparadies“ (ST 248) erzählen (vgl. Kapitel  2: Reisen ins Rote). Die Folgen der Propaganda vermeint Willert bei einem Besuch in seinem Heimatland, das nun eine „Volksdemokratie“ ist, am eigenen Leib zu spüren. In der Stadt seiner Jugend sind die Straßen nun „schummrig“ und unbeleuchtet, früher waren sie „strahlend erleuchtet gewesen, eine breite Allee der feinen Lebensart“ (ST 201) mit zahlreichen Schaufenstern der „Kleidergeschäfte, Hut- macher, Juweliere und Buchhandlungen“ (ebd.). Diese Lebensqualität ist ver- schwunden, stattdessen prägt Propaganda das Stadtbild: „Die Plakate mit den Friedenssprüchen und den stark vergrößerten Photos der kommunistischen Machthaber, die nicht in diese vertraute Umgebung zu passen schienen […]“ (ST 200) und die Dauerbeschallung mit Liedern und Reden von Parteimitglie- dern aus den Lautsprechern: „Draußen plärrten die Lautsprecher ihre russischen Lieder. Gruppen von kleinen Jungen und Mädchen zogen vorüber, schwenkten blaue Wimpel mit weißen Friedenstauben und schrien mit ihrer dünnen Kin- derstimme: ‚Frieden und Freundschaft!‘“ (ST 246) Die Bürger der „Volksdemokratie“ scheinen Willert in einem „Schnecken- haus“ (ST 247) zu wohnen und er vergleicht sie mit den „drei Affen“: „Mund zu, Ohren zu, Augen zu“ (ebd.). Der ständigen Propaganda ausgesetzt, glaubt Wil- lert, dass er bald „so apathisch sein [wird] wie die Leute hier, die den Lärm nicht mehr hörten“ (ST 246). Die Folgen der kontinuierlichen Propaganda auf die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang werden in Form klischeehafter Bilder imaginiert. Zwar erreichte die ständige Repetition der ewig gleichen Propag- andabotschaften in den 1940er- und 1950er-Jahren in den „Volksdemokratien“ ihren Höhepunkt, jedoch betonen neuere Forschungen, dass sich über die Rezep- tion von Propaganda in der Sowjetunion keine repräsentativen Aussagen treffen lassen, weswegen sich eine „Geschichte der öffentlichen Meinung unter stalinis- tischer Herrschaft“46 nicht schreiben lässt. Wechsbergs Text evoziert stereoty- pe Bilder einer stummen und gefügigen Masse, die der rhetorischen Hilflosig- keit eines Regimes ausgesetzt ist, das „nur starre Kommunikationsformen“ kannte.47 Er bedient dabei in seiner Darstellung des Ostblocks vor allem ideo- logische Gemeinplätze und antikommunistische Schemata. Aber nicht nur in den Satellitenstaaten der Sowjetunion stand Propaganda auf der Tagesordnung, auch in den besetzten Ländern wirkte sie auf die Bevöl- kerung. Dies thematisiert Fritz Habeck in seinem Roman Das zerbrochene Drei- 46 Jan C. Behrends: Die erfundene Freundschaft. Propaganda für die Sowjetunion in Polen und in der DDR. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2006, S.  27. 47 Ebd., S. 26. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 448 11 Frieden, Freiheit, Propaganda: Rhetorik im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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