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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 471 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Die Tachisten wenden sich an Intellektuelle, die über einen Fleck stundenlang diskutieren können und die vom Anti-Intellektuellen, das sie mit dem Vitalen gleichsetzen, schon immer fasziniert waren; an Snobs, die das Neueste und nur das Neueste wollen.27 Ebenso ablehnend reagiert der ansonsten liberale Kunstkritiker des Tagebuchs Viktor Matejka anlässlich einer Ausstellung der Werke Markus Prachenskys: „Aus der Tache d’encre der Taferlklasse ist ein Ismus hervorgekrochen, der Tachis- mus. Farbeimer gegen die Wand geschleudert; so weit’s runterrann, reicht das ‚Bild‘, der hoffnungslose Fleck, der gigantische Klecks.“28 Die Arbeiter-Zei- tung reihte sich auch unter die Kritiker modernistischer Kunstrichtungen und beurteilte etwa die Malerei des Abstraktionisten Mark Rothko (vgl. die Namen- sähnlichkeit mit Henz’ Mario Rondo!), die 1951 auf der bereits erwähnten ame- rikanischen Ausstellung in Wien gezeigt wurden, als „nichtssagend“ und nicht repräsentativ.29 Für Henz stellen sich die Verfallserscheinungen der beiden antagonistischen Kulturen des Kalten Krieges nicht nur in den neueren Strömungen der Kunst, sondern auch im Jargon der Kunst- und Literaturkritiker des Westens dar, den er in seinem Text mit satirischen Mitteln zu entlarven versucht. In Henz’ Cha- rakterisierung der Figuren ebenso wie in den künstlerischen Positionen, die ihnen zugeschrieben werden, scheinen freilich viel eher die antimodernen Res- sentiments des Autors durch als eine fundierte Kritik zeitgenössischer Kunst. Diese Ressentiments konkretisieren sich unter anderem am „Club der Gewor- fenen“, der sich im Café Pospischil versammelt und zu dessen Mitgliedern neben Mario Rondo auch der Dramatiker Reinhard Höllisch zählt, der „Minutenspiel[e]“ verfasst, da er der Ansicht ist, dass in der „totalen Wohlfahrtsgesellschaft […] so wenig Raum für dramatische Spannungen“ ist, „wie in totalen Diktaturen“ (K 24). Über das Werk des Zwölf-Ton-Komponisten Gustav Pregelfink urteilt Hasil, er hätte die „Schönheit quietschender, grauslicher Töne“ nie, wohl aber „die Arroganz dieser Art Kompositeure“ begriffen (K 25). Weitere Mitglieder sind die „assoziative“ Lyrikerin Heide Mahrenberg, die mit einem totalitären Gestus darüber bestimmt, was eine „echte Assoziation ist und was ein Schwindel“ (ebd.), die gefürchtete Kritikerin Liselotte Erbsenspiel, die Hasil als eine „typische Ver- treterin der kollektiven Originalität“ (ebd.) erscheint und deren „geistige Hal- tung […] durch die deutsche Monatsschrift ‚Die Folge‘ gegeben“ (K 26) ist. Für Hasil, der sich selbst als „zu begabt für das normale Dasein und zu unbegabt für 27 Wieland Schmied: Maler, die nicht mehr malen wollen. In: Forvm 7 (1960) H. 79/80, Juli/ August, S.  297–300, hier S.  299. 28 Vgl. Habarta: Frühere Verhältnisse., S. 322. 29 Grete Helfgott: Amerikanische Malerei. In: Arbeiter-Zeitung, 10.11.1951, S. 8. Freiheit und Doktrin: Abstraktion vs. Sozialistischer Realismus 471
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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