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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 482 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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ten hierbei eine zentrale Rolle. Ab 1952 operierte das Internationale Programm des Museum of Modern Art in New York, das moderne amerikanische Kunst nach Westeuropa exportierte. Ein erklärtes Ziel dieses Programms war es, den europäischen Künstlern „einen Gegenpol zu dem durch den Totalitarismus vor- herrschenden dominanten realistischen Malstil“59 zu bieten. Wenn der Kunstimport von hinter dem Eisernen Vorhang kam, gab es im Wes- ten freilich auch klar ablehnende Stimmen. Hans Weigel, der in den 1950er-Jah- ren u. a. gemeinsam mit Reinhard Federmann eine „Gesellschaft für die Freiheit der Kultur“ gegründet hatte,60 sah im kulturellen Austausch, wie er mit der von Nikita Chruschtschow propagierten „friedlichen Koexistenz“ während des „Tau- wetters“ einherging, eine Bedrohung, die mit ökonomischen Faktoren zusam- menhing und die sich direkt über das kulturelle Feld ankündigte: Jede im Westen angekaufte östliche Schallplatte, jedes im Westen angekaufte öst- liche Buch, jede Eintrittskarte zu einem Ostblockfilm, einer Brecht-Aufführung, einem Gastspiel aus dem Osten, alle Entgelte für die Manifestationen der Koexis- tenz fließen direkt oder indirekt einem Wirtschaftssystem zu, das seine Mittel für den militärischen, ideologischen und wirtschaftlichen Kampf gegen uns einsetzt.61 Eine solche Instrumentalisierung des Kunstexports für propagandistische Zwe- cke wird den Kommunisten auch im Kartonismus in ganz ähnlichen Worten unterstellt. Im Gespräch mit einem Attaché seines Heimatlandes erfährt Hasil, dass der Expansionismus der VVR auf kulturellem Gebiet und die Tolerierung der avantgardistischen „Kartonistik“ eine Doppelfunktion erfüllt: „Jede in einem ausländischen Museum zur Schau gestellte kartonistische Plastik sei dabei eine unbezahlte und bezahlbare Reklame für das VVR-System.“ (K 179) Worum es der VVR jedoch mit ihrem Plan, die kulturelle Überlegenheit im Kalten Krieg zu erringen, neben einem beträchtlichen Prestigegewinn letztend- lich geht, sind Devisen, die mit dem Verkauf der Schachtelplastiken erworben werden und die damit verbundenen ökonomischen Vorteile (vgl. K 179). So ent- puppt sich das Zugeständnis der VVR-Kulturpolitik an moderne Kunstrichtun- gen und Avantgardismen als ein Aspekt der volksdemokratischen Wirtschaft und ist nur ein weiterer Schachzug einer totalitären Kulturpolitik, die die Frei- heit der Kunst zwar apostrophiert, diese jedoch eigentlich nach ihrem Willen lenkt. Der Volksdemokratie kommen hier die Käufer aus dem „imperialistischen Westen“ gerade recht, wie ein VVR-General betont. Denn wenn genug Devisen 59 Hainzl: Abstraktion und Kalter Krieg, S. 11. 60 Vgl. Fritz Keller, Elisabeth Hirt: Die CIA als Mäzen. Oder: Wie autonom ist autonome Kunst? In: Zeitgeschichte  13 (1985/1986) H.  9/10, S.  311–318. 61 Weigel: Erst: ko – dann: ex!, S. 6. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 482 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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