Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Page - 498 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 498 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Image of the Page - 498 -

Image of the Page - 498 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text of the Page - 498 -

Das „BÜRO“ gibt Skulpturen und Bilder berühmter politischer Persönlichkeiten in Auftrag und berechnet die Materialien dafür knapp, um den Künstlern die Möglichkeit zu nehmen, Material zu entwenden und im Verborgenen eigene Kunstwerke zu produzieren, da individuelles Schaffen geächtet und gesetzlich verboten ist. Die Kontrolleure durchsuchen die Lager mit Hunden, Katzen, Els- tern, Wühlschweinen, um versteckte Materialien aufzuspüren. Die streng kon- trollierte Zuteilung und Rationierung künstlerischer Materialien lässt sich auch an der sowjetischen Kulturproduktion beobachten. Den Kunstschaffenden brach- te die Mitgliedschaft in sowjetischen Kulturverbänden beträchtliche Vorteile und in der „absoluten Mangelwirtschaft verlieh die Kontrolle über die Lieferung von Farben, Marmor, Papier, Leinwand, Pinseln und Musikinstrumenten den Kulturbehörden eine außergewöhnliche Macht“.107 Während des Kalten Krieges konnten sich Persönlichkeiten aus Literatur, Musik und bildender Kunst nicht ohne Restriktionen ihrem Schaffen widmen. Sie wurden nicht nur – wenn sie sich von bestimmten politischen Positionen entfernten – diffamiert, sondern hatten sich, um den Preis ihrer persönlichen Freiheit in ihrer Kunstproduktion – vor allem im sowjetischen Machtbereich – an eine bestimmte Doktrin zu halten. Die Arbeiter-Zeitung kritisiert bereits im Februar 1949 die „Reinigung, Liquidierung und Gleichschaltung von Kunst und Wissenschaften, Dichten und Musizieren, Biologie und Politik“, die sich in der „gesamten Ostzone Europas“ vollziehen würde: „Kaum eine Woche vergeht, ohne daß nicht die Inquisition des Kommissars der Inspiration des Philosophen, Naturwissenschafters, Schriftstellers neue Daumenschrauben ansetzt.“108 Im März 1960 wies Hans Weigel darauf hin, dass im sowjetischen Einflussbereich die politischen Richtlinien auch für spezifisch ästhetische Fragen maßgeblich wären: „Sie betreffen nicht nur den politischen Gehalt der Kunstwerke, sondern greifen auch in Stil- und Formprobleme völlig unpolitischer Literatur, Musik, bildender Kunst und angewandter Kunst ein.“109 Nicht nur ein unerwünschter Stil, sondern auch die Veröffentlichung eines Werkes im Westen, das dem Ruf der Sowjetunion schaden konnte, war von schar- fen Restriktionen bis zur Internierung begleitet. Anfang der 1960er-Jahre wurde die sowjetische Praxis, non-konforme Künstler in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, mit dem Fall Valerij Tarsis bekannt, der 1962 wegen Auslandspu- blikationen bestraft wurde. Dies war der erste Fall dieser Art von Strafe, der im Westen Aufmerksamkeit erregte. Auf westliche Proteste hin wurde Tarsis 1963 aus der psychiatrischen Anstalt entlassen und verarbeitete seine Erfahrungen in der Erzählung Palata Nr.  7 („Krankenzimmer Nr.  7“) und in Botschaften aus dem 107 Ebd., S. 479. 108 j.h.: Zweifel an der „Katastrophe“?. In: Arbeiter-Zeitung, 26.2.1949, S. 2. 109 Weigel: Erst: ko - dann: ex!, S. 5. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 498 12 Kunst im Kalten Krieg
back to the  book Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges