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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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schenizyn berichtet über solche akzeptierten kulturellen Inhalte, die im Gulag durch „Theaterarbeit mit politisch zugespitzter Themenwahl“114 Ausdruck fan- den. Es gab z.B. Darstellungen „Roter Kalendergeschichten“, die „Dramatisie- rung von Zeitungsberichten“ oder „[i]nszenierte Gerichtsverhandlungen, agita- torisch aufgebaut“.115 Dass sich die Häftlinge jedoch auch über diese Inhalte lustig machten, zeigt das Beispiel, in dem bei einem Musical mit dem Titel „Auf- marsch der StGB-Paragraphen, der gefürchtete „§  58“ („konterrevolutionäre Straftaten“) als „böse Hexe über die Bühne“116 humpelt. Auch Zensur und ihre Organisationsformen spielen in Heers dunklem Ent- wurf eines totalitären Staates eine wichtige Rolle, in Form des „Wiener Kultur- palasts“, der auch „Tattermanns Haus“ genannt wird und der die Führung und Verwaltung der obersten Zensurstellen „aller einschlägigen Sparten“ vereinigt: Funk- und Fernbild, Welt- und Kosmosschau, das ‚Bild des Tages‘; Homodrom-, Zirkus- und Weltwanderbühnen; ortsansässige Theater und Schaubühnen; Aus- stellungswesen; bildende und darstellende Kunst; Musik; Artistik; Buchprodukti- on und Zensurleitstelle; die Werke ‚Kunst dem Volk‘, ‚Kultur der Zeit‘, und ‚Waffen des Geistes‘. (AT 333) Der Namensgeber Tattermann hat als ehemaliger „Weltzensor“ jede Kultur und alle Werke aller Völker und Zeiten registriert und kategorisiert, um damit die Basis für eine umfassende Zensurpraxis zu legen. Das Kulturgut der Vergangen- heit wird von „Mißbildungen“ gereinigt, um die Werke der Gegenwart nach Grundsätzen des „BÜROS“ zu lenken. Aus diesen Vorarbeiten soll dann die Kulturproduktion der Zukunft entstehen. Das „Referat für Vergangenheit“ erforscht die unterschiedlichen Fakultäten, deren Bestände nach verwertbaren Stoffen aus vorwissenschaftlicher Zeit untersucht werden. Die literarischen Wer- ke aus frühen Epochen werden editiert, aber zuvor meist neu geschrieben oder überarbeitet. Brown liest z.B. eine hundertzwanzig Seiten starke „Welt-Go- ethe“-Ausgabe, die „wie das Vorwort des Welt-Zensors Tattermann sagt, alles Wesentliche und Lesenswerte des deutschen Dichters enthält“ (AT 14). Hier ist Heers Dystopie nahe an George Orwells Nineteen Eigthy-Four, wo Winston Smith für das „Ministerium für Wahrheit“ Zeitungsartikel umschreibt, sodass diese ganz mit der aktuellen Ideologie des „Big Brother“ übereinstimmen. In der Sowjetunion galt Stalin als der „inoffizielle oberste Zensor“,117 der die Ansicht vertrat, dass unter der Doktrin des „sozialistischen Realismus“ die Bücher 114 Solschenizyn: Der Archipel GULAG, Bd. 2, S. 452. 115 Ebd. 116 Ebd. 117 Overy: Die Diktatoren, S. 486. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 500 12 Kunst im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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