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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 510 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Krasin sieht darin eine politische Häresie: „Sie proklamieren die Anarchie Bakunins!“ (Ebd.)17 Als er sieht, dass Marakow es ernst meint, erschlägt Krasin ihn mit einem silbernen Kerzenhalter. In der darauf folgenden Schlussszene begehen die Mönche den feierlichen Osterritus und wiederholen, während sie Marakows Leiche „ausgebreitet wie ein Kreuz“ (RO 109) von der Bühne tragen, immer wieder den Satz „Christus ist auferstanden!“ (Ebd.), wodurch die Ermor- dung des Konvertiten symbolträchtig mit dem Opfer Christi verknüpft wird. Auf diesen Opfertod vorausweisend klagt Marakow bereits an einer früheren Stelle des Dramas die Sowjetunion an, Opfer zu produzieren: Nein, Ihr seid nicht davor zurückgeschreckt, uns vor einen Altar zu schleppen wie Isaak seinen Sohn, aber da gab es keinen Gott, der dieses Menschenopfer von sich stieß, denn Eure Götzen nahmen dieses Opfer an, und sie bekamen Appetit und wurden sehr gefräßig. (RO 44) Der Abt des Klosters wirft dem systemtreuen Krasin ebenfalls vor, die Sowjet- union produziere Märtyrer, die von jenen des Christentums abzugrenzen seien: „Das Blut aller christlichen Märtyrer in der ganzen Welt zu allen Zeiten, [...] das ist der Samen, der in den Morgen treibt. Ihr aber habt Märtyrer gemacht, ohne selbst Märtyrer zu werden.“ (RO 59) Zugleich prophezeit der Abt den Zerfall der sowjetischen „Ordnungen“ und „Kollektive“ durch individuelle Prozesse der Abwendung vom Kommunismus: „In den Seelen der Menschen, darin zerfallen sie  ... (stark) In den Marakows!“ (Ebd.) Die Konversion Marakows erfolgt durch eine geistige und seelische Entwick- lung, die im Umfeld des Klosters und in Anbetracht des Lemmingsterbens, das allegorisch für den Tod des seelenlosen Lebens steht, stattfindet.18 Diese Wand- lung nimmt den gesamten Zeitraum der Handlung ein und bedingt schließlich Marakows Opfertod, der gegen die atheistische, radikal materialistische und anti-individualistisch gedachte Ideologie des Sowjetkommunismus wirken soll. 17 Michail Alexandrowitsch Bakunin (1814–1876) stammte aus Russland, beteiligte sich an revo- lutionären Bewegungen in Frankreich und Deutschland. Durch seine anarchistische Tendenz positionierte er sich in Opposition zu Karl Marx. 18 Kuehnelt-Leddihn stellt als Auslöser für Renegatentum ebenso eine nicht näher erklärte inne- re Entwicklung dar: „[M]eistens kommt der Bruch mit einer Ideologie als Folge entweder einer intellektuellen (als auch seelischen) Entwicklung oder auch als Resultat eines Schocks, der ‚die Augen öffnet‘;“ Kuehnelt-Leddihn: Nur eine Frage des Datums?, S.  179. Dieselbe Einschätzung findet sich bei Krüger: „Der Prozeß der Ablösung [...] verläuft weniger dramatisch, langsamer, ein dauernder untergründiger, oft quälender Vorgang innerer Auseinandersetzung. [...] Genüg- te bei André Gide schon eine Reise in die Sowjetunion, um die Utopie sterben zu lassen, so bedarf es hier bei den geschulten, innerlich gefestigten Kommunisten vieler Jahre, die sie im täglichen Kleinkrieg langsam widerlegen und in die Enge treiben.“ Krüger: Einleitung, S.  23. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 510 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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