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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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chen Individualis[mus]“24 der Figur erklärt. Diego steht für das Individuum, das „ursprüngliche anarchische Ich“,25 das sich den strengen ideologischen Regeln im Kommunismus nicht unterwerfen will. Die individuellen Freiheiten, die dem Westen zugeschrieben werden und die das Drama in die Nähe der Amo- ral und des Werteverfalls stellt, sind für Diego anziehend, was in Form einer Verführung dargestellt wird. Robin Leslie, der englische Major, formuliert über den Westen: „Unsre Kraft ist die Unmoral, die glänzende, verführerische, attrak- tive Unmoral.“ (GV 8) „Diese sterbende Welt, deren Söhne zu sein wir die Ehre haben, hat eine einzige Rechtfertigung: Les fleurs du mal. Die Schönheit des Untergangs. Die Freiheit der Seele.“ (GV 29) Diego, der sich für diese Philoso- phie der anarchischen Freiheit interessiert, schließt sich dem englischen Lebe- mann Leslie an, der ihm seine weltanschaulichen Prämissen erklärt: Robin: Wenn ich für etwas Gefühl habe, dann für Freiheit der Seele. Ich liebe Menschen, die nichts für wahr und alles für möglich halten. Der Mensch ist ein großes Experiment. Diego: Wenn man nur wüßte, wer mit wem experimentiert. [...] Wofür haben Sie gekämpft? Robin: Man muß den Kampf an sich genießen. Diego: Aber das Volk hat nicht gekämpft, um zu kämpfen. (GV 19) Robin: Menschenwürdig ist nur das Spiel. Das Kind, das die Puppe küßt und mor- gen wegwirft. Frei sein heißt spielen. Diego: Glauben Sie nicht, daß es etwas gibt, größer als jeder Mensch, wichtiger als die Freiheit prahlender Puppenspieler? Robin: Nein. Man muss den Mut haben, alle Phrasen abzutun. Frei sein heißt al- lein sein in der Unendlichkeit. (GV 20) Obwohl Diego mit dem Verweis auf den Wert des Volks bzw. Kollektivs kritische Gegenargumente zu Leslies Anschauungen äußert, interessiert er sich für diesen existentialistischen Freiheitsbegriff.26 Diego bezahlt seine Neugier allerdings 24 Fischer: Das Ende einer Illusion, S. 269. 25 Ebd. 26 Zur zeitgenössischen Bewertung des Existenzialismus in kommunistischen Kreisen vgl. Gustav Keyhl: Zur Soziologie des Existenzialismus. In: Österreichisches Tagebuch  1 (1946) H.  33, 16.11.1946, S.  10. N.N.: Intimatismus. In: Österreichisches Tagebuch  2 (1947) H.  32, 23.8.1947, S.  2. Walter Hollitscher: ‚Ist der Existenzialismus humanistisch?‘ Zu dem neuesten Buch von Jean-Paul Sartre. In: Österreichisches Tagebuch  3 (1948) H.  12, April, S.  11  f. Gustav Keyhl: Vertrauen und Verzweiflung. In: Österreichisches Tagebuch  3 (1948) H.  15, Juli, S.  8. Georg Lukacs [sic!]: Die Intelligenz am Scheidewege. In: Österreichisches Tage- buch  3 (1948) H.  18, Oktober, S.  3–5, hier S.  5. Der Existenzialismus wird als weltanschauliche Richtung kritisiert, die keine politische Wirkung entfaltet bzw. politisches Engagement hemmt Konversion/Bekehrung 513
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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