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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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teuer, als Robin ihn überredet, seine moralischen Werthaltungen fallenzulassen und ihm seine jugoslawische Freundin und Geliebte Anita in sexueller Hinsicht zu überlassen (vgl. GV 29). Dieser Verrat Diegos an Anita wird durch die Struktur des Dramas in Ana- logie zum politischen Verrat Malabrancas am Volk gebracht. Beide kooperieren mit Westvertretern, wie Leslie glaubt: „Er [Diego] wird mich so wenig nieder- schießen, wie sein Vater mich überspielt.“ (Ebd.) Damit täuscht sich Leslie aller- dings, denn Diego erkennt später seinen Verrat und bittet Anita um Verzeihung: „Es war ein Verrat an dir – und nicht nur an dir. Vergib mir!“ (GV 44) Nach diesem Sinneswandel radikalisiert sich Diego gegen den Westen und seine Ver- treter und erschießt den Verführer Leslie. Die westlichen Bündnispartner Mal- abrancas sind durch Leslies Ermordung beunruhigt, weshalb Malabranca die Hinrichtung des Mörders, seines eigenen Sohns, verfügt. Das Opfer Diegos unterstreicht hier besonders die Korruptheit des westorientierten Regimes Mal- abrancas, das „für einen Kredit aus London mit euren toten Söhnen [zu] zahlen“ (GV 49) bereit ist. Diegos radikale Abkehr vom Individualismus lässt ihn letzt- lich auch den Tod in Kauf nehmen: „Du [Malabranca] kannst [...] mich zum Tode verurteilen, gut. Aber vorher gib mir das Recht zu sprechen!“ (GV 47) Die- se radikale Haltung des Konvertiten verbindet das Drama Fischers mit jenen von Schwarz und Becsi. Ein entscheidender Unterschied besteht darin, dass Fischer der Figur des Die- go keine Vorbildwirkung zukommen lassen und sie nicht als den idealen Gegen- spieler Malabrancas verstanden wissen will. Das Tagebuch berichtet von einer Diskussionsrunde, in der Fischer das Handlungsmoment des Mordes am engli- schen Major problematisierte und sich von einer so radikalen Vorgehensweise distanzierte: Es sei ferner als Fehler des Stückes zu bezeichnen, wenn etwa die irrtümliche Auf- fassung zutage trete, als billige der Autor den Mord Diegos. Diese Tat, zwar einer ‚anständigen‘ Revolte entsprungen, komme dennoch aus einer anarchischen Ein- stellung und sei zu verurteilen: der Weg Diegos sei eine Sackgasse!27 Später identifiziert Fischer den Irrweg Diegos als seinen eigenen: „Daß also die- ser Diego schließlich für Moskau votiert, mit dem Revolver, im Superlativ, war von der Art meiner Entscheidung für das Unbedingte, für Selbstverneinung und und in der Tradition von Lenins Kampfansage an den Empiriokritizismus als idealistisch ver- urteilt. 27 Martin Rathsprecher: Diskussion über das Stück ‚Der große Verrat‘. In: Tagebuch  5 (1950) H.  9, 29.4.1950, S.  5. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 514 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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