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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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leicht. Ihr tragt in eurer Aktentasche eine geordnete Weltanschauung.“ (BB 11  f.) Freiheit versus festgefügte Weltanschauung werden sowohl von Diego als auch von Heinz gegenübergestellt. Zudem inszenieren sich beide Figuren als amora- lisch: „Diego: [...] In jedem von uns steckt ein Trunkenbold, ein Hurenbock, ein Raubmörder. Soll man diese Talente vernachlässigen?“ (GV 16) „Heinz: Ich habe mir jedes Gewissen abgewöhnt.“ (BB 11) Schließlich sind beide Figuren zunächst Individualisten und wandeln sich im Laufe des Dramas – nicht ohne erotische Starthilfe – zu Sozialisten. Obwohl Heinz zu Beginn des Dramas vom „kommu- nistische[n] Dienstreglement“ (BB 11) nicht das Geringste hält, bewegt ihn sein persönliches Interesse für die Kommunistin Barbara dazu, sie gleich in der ers- ten Szene gegen einen betrunkenen und zudringlichen Amerikaner zu verteidi- gen, der zugleich ein reicher Geschäftsmann ist und die Seifenfabrik, die im Drama als Symbol für die Produktionsmittel in Deutschland/Österreich steht, billig einzukaufen versucht. Das plumpe sexuelle Interesse des amerikanischen Geschäftsmannes an einer einheimischen Frau wird hier wie im Vorgängerdra- ma mit einem ausbeuterischen ökonomischen Interesse an einem europäischen Land parallelisiert. Heinz zieht diese Parallele aber am Beginn des Dramas noch nicht. Er vertei- digt lediglich die hübsche Barbara gegen einen anderen Mann, jedoch wird durch diese Tat die dramatische Handlung ins Rollen gebracht, in deren Verlauf Heinz eine politische Wandlung durchmacht. Zunächst wird er für seinen Angriff auf den amerikanischen Geschäftsmann inhaftiert, während dieser, der über die US-Besatzung Einfluss auf die städtische Politik hat, den Skandal vertuschen kann. Barbara wiegelt die Arbeiterschaft auf, für Heinz zu demonstrieren, sodass dieser ungewollt in politische Konfrontationen verwickelt ist und zum Helden der Arbeiterjugend wird, was ihm persönlich eher unangenehm ist: Fritz: [...] Wissen Sie, wir in der Arbeiterjugend sind von Ihnen begeistert. Das ha- ben Sie prima gemacht, das mit dem fetten Ami. Die ganze Jugend schaut auf Sie. Heinz: Ich habe nicht das geringste Talent zur Idealgestalt. Fritz: Ich weiß nicht, was sie meinen. Aber ich denke so –. Wenn man was getan hat wie Sie, dann hat man sozusagen eine Aufgabe übernommen, eine Verant- wortung. Heinz: Unsinn. Ich bin ein freier Mensch. (BB 37) Aber auch von Seiten der – amerikanischen Interessen folgenden – Stadtregie- rung wird Heinz nach diesem Vorfall in politische Querelen verwickelt. Am Tag der Schlägerei trug er eine Aktentasche, in der sich neben existentialistischer (vgl. BB 11) bzw. westlicher Literatur wie „Jean Paul Sartre. Graham Greene. Elliot [sic!, gemeint ist T.  S. Eliot, Anm. d. Verf.]“ (BB 12) für eine Freundin, die Bürgermeisterstochter Hedwig, auch Dokumente befinden, für die sich die US-Be- Konversion/Bekehrung 519
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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