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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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schen den Ideologien stehenbleibt, zu einer ausgewogenen und „objektiviert[en]“ Darstellung der Thematik führe. Daneben finden sich aber auch westliche Rezensenten und Rezensentinnen, die mit der bloßen Darstellung der Desillusionierung durchaus unzufrieden sind und offensichtlich ein deutlicher ausgeprägtes politisches Bekenntnis Schindlers erwartet hätten. So hält es Fritz Knöller für unwahrscheinlich, dass Schindler 1945 nicht sogleich in den Dienst der Westmächte eintritt: Wie soll man aber verstehen, daß ein Mensch, der im Sowjetparadies alsbald sei- nen Glauben an die kommunistische Heilslehre verlor und dort elf qualvolle Jah- re verbringen mußte, in Wien noch weitere vier Jahre dem verhaßten Brotherrn dient und erst, als er sich ernstlich bedroht sieht, westwärts entweicht?74 Eine andere Rezension geht noch einen Schritt weiter und identifiziert in der „Passivität des namenlos Enttäuschten“ sogar den „Nährboden für jede Art tota- litärer Entwicklung“.75 Eine andere hält ihn zumindest für „weltanschaulich zwie- lichtig“.76 Wolfgang Kraus, der sich im Kalten Krieg auf der Westseite engagier- te, bespricht Federmanns Roman zwar wohlwollend, übergeht aber in der Beschreibung des Handlungsverlaufs auffälligerweise jene vier Jahre, in denen Schindler, obwohl er „die kommunistische Diktatur durchschaut“ hat,77 noch nicht nach Westdeutschland flieht. Nicht zuletzt ist Federmanns eigene Recht- fertigung in einem Brief an Hans Weigel Beweis dafür, dass in der Rezeption in politischer Hinsicht bisweilen „größere Deutlichkeit“78 gewünscht wurde: Ich hoffe, ich habe deutlich gemacht, daß sein [Schindlers] Antikommunismus im Augenblick seines engsten Kontakts mit den Kommunisten am heftigsten ist, daß er abflaut, je weiter er sich von den Kommunisten entfernt, und je besser er seine neuen Mitkämpfer, deren Antikommunismus zum Teil von recht obskuren Quellen genährt wird, kennenlernt, [...]79 74 Fritz Knöller: Federmann, Reinhard: Das Himmelreich der Lügner. In: Welt und Wort (1960) H.  4, S.  118. 75 Schu: Das Buch der großen Enttäuschung. In: Der Mittag, 7.11.1959. [LIT, Nachlass Rein- hard Federmann, Sign. 386/S263/7]. 76 Walter F. Goebel: Reinhard Federmann: „Das Himmelreich der Lügner“ (Verlag Langen Mül- ler). Der Bücherkatalog. Gesendet im Saarländischen Rundfunk, 16.2.1960, 16.30h. [LIT, Nach- lass Reinhard Federmann, Sign. 386/S263/7, Bl.  2]. 77 Wolfgang Kraus: Zeitroman der jüngeren Generation. Reinhard Federmann „Das Himmelreich der Lügner“. In: Badische Neueste Nachrichten, 14.11.1959. [LIT, Nachlass Reinhard Feder- mann, Sign. 386/S263/7]. 78 Federmann an Hans Weigel, Brief vom 3.8.1959, Bl. 2. 79 Ebd. Renegaten in der österreichischen Literatur? 537
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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