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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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politische Ideale zu vertreten. Neumanns Text unterläuft so karikierend das Ide- al der ideologischen Überzeugung und des loyalen Eintretens für eine Seite des Kalten Krieges. Indem die beiden Seiten nicht hierarchisch, sondern spiegelbild- lich angeordnet werden und auf beiden Seiten die Anziehung durch die andere in satirisch verzerrter Form gezeichnet wird, verwehrt sich der Text der ideolo- gischen Zuordnung. Ob die beiden Figuren tatsächlich die Seiten wechseln, ist letztlich bedeutungslos und wird auch offengelassen. Entscheidend ist, dass der Wunsch nach dem Seitenwechsel – verkörpert in den Figuren des Renegaten und des Fellowtravellers – die Praxis der eindeutigen Zuordnung unterläuft. Der Text stellt so den Sinn der radikalen bipolaren Konstruktion des Kalten Krieges und verhärteter ideologischer Standpunkte in Frage. Blätter im Wind Persönliche Interessen, die in Festival politische Überzeugungen überdecken, können als ideologische Beliebigkeit oder Opportunismus kritisiert werden. Ein Beispiel für die Problematisierung von Opportunismus ist Ernst Hinterbergers Roman Beweisaufnahme (1965), in dem die Geschichte Robert Wehofers erzählt wird, der sich vor 1945 dem Nationalsozialismus, danach dem Kommunismus, und später den herrschenden politischen Mächten der 1950er-Jahre in Öster- reich anpasst. Für ihn ist Überzeugung „[n]ur eine Frage des Datums“,82 um eine Formulierung Kuehnelt-Leddihns zu benutzen. Wehofers Vergangenheit wird im Roman, der Mitte der 1960er-Jahre spielt, im Laufe eines Verhörs aufgerollt. Kirchpichler, einer der verhörenden Beamten, der während des Zweiten Welt- krieges sozialdemokratischer Widerstandskämpfer war und einen Opferausweis besitzt, kritisiert Wehofers wechselnde ideologische Bekenntnisse scharf: Sie Rucksackkommunist, Sie! Ich … Sie haben doch … Sie und Ihresgleichen … Nach dem Wind habt ihr euch gedreht! Zuerst ‚Heil Hitler!‘, dann ‚Rotfront!‘, plündern, betrügen, Schweinereien begehen, von nichts was wissen und überall ‚bloß durch Zufall‘ dabeigewesen sein, während wir in den Lagern geschmachtet haben! Geschmachtet – und für wen? Für Leute wie Sie! (BW 110  f.) Kirchpichler ist im Gegensatz zu Wehofer ideologisch standfest und opferbereit. Wehofer vertritt hingegen die Meinung, dass Ideologien kategorisch dazu die- nen, leichtgläubige Personen auszubeuten und spricht in diesem Zusammenhang von 82 Kuehnelt-Leddihn: Nur eine Frage des Datums?, S. 176. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 540 13 Konversion, Bekehrung, Renegatentum. Narrative des Seitenwechsels.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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