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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 549 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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seine Operetten es glauben machen wollten, so Weigel, aber auch nicht so unglück- lich und kompliziert wie es Carol Reed in seinem Film Der dritte Mann darstel- len würde. Reeds Film trifft dabei einen wesentlichen Aspekt der österreichi- schen Besatzungserfahrung, denn Österreich war „völlig unproportional zu Größe und Bedeutung des Landes, zu einem internationalen Zentrum und Tum- melplatz von Agenten, Informanten, Provokateuren und Spionen geworden, in erster Linie von Geheim- und Nachrichtendiensten der Großmächte“14 (vgl. Kapitel  9: Spionage). Österreich war trotz seiner Wiederherstellung in den Gren- zen von 1937 ein unsicheres Territorium.15 Das Land sah sich inneren und äußeren Zwängen ausgesetzt, die aus der vierfachen Besatzung und dem Spio- nagekrieg resultierten, der zwischen den ehemaligen Alliierten auch auf öster- reichischem Boden ausgetragen wurde. In Felix Gamillschegs Roman Die Getäuschten (1961) wird dem ehemaligen Leutnant der Wehrmacht Ernst Fritz Büheler bei seiner Rückkehr in das Öster- reich des Jahres 1947 aus der russischen Kriegsgefangenschaft klar, dass die Besatzungsmächte ihren Kalten Krieg auf österreichischem Boden bereits begon- nen haben: Von den Engländern und den Franzosen schien man nicht viel zu bemerken. Aber die Russen und die Amerikaner lagen sich in den Haaren, daß es krachte. Das konnte man aus jeder Zeitung entnehmen. Und die Österreicher mußten es aus- baden. (G 312) Sukzessive reift in Büheler die Erkenntnis, dass er bisher einer durch die kom- munistische Propaganda verbreiteten Illusion bezüglich seines Heimatlandes erlegen ist. Die ehemaligen Wehrmachtssoldaten verfügen in der Kriegsgefan- genschaft über keine Zeitung, sondern nur über das Propagandablatt des „Nati- onalkomitees Freies Deutschland“ und die kommunistische österreichische Zei- tung „Volksstimme“, die „manches über die Erfolge der Sowjetunion, aber nur sehr wenig über die Heimat“ (G 214) berichtet. Dadurch erfahren sie zwar von der Zonenaufteilung im Land und der provisorischen Regierung Karl Renners, aber alles andere müssen sie „zusammensuchen, kombinieren, erraten“ (G 215). Anhand der Schlagzeilen können die Soldaten auf die tatsächlichen Zustände in ihrem Heimatland schließen: hier S.  67: „It is not so happy and uncomplicated as the operettas would have you believe, nor so unhappy and complicated as Carol Reed depicted it in ‘The Third Man’.” 14 Siegfried Beer: Nachrichten- und Geheimdienste in Österreich, 1945–1955. In: Stefan Karner, Gottfried Stangler (Hg.): „Österreich ist frei!“ Der Österreichische Staatsvertrag 1955. Horn, Wien: Verlag Berger 2005, S.  221–226, hier S.  221. 15 Vgl. Stocker: Jenseits des „Dritten Mannes“, S. 108–122. Österreich: Zwischen „‚nicht mehr‘ und ‚noch nicht‘“ 549
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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