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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 551 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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man sich durch die von der „Moskauer Deklaration“ bereitgestellte „Opferthe- se“ entziehen, wobei die Frontstellungen des Kalten Kriegs von Österreich geschickt ausgenutzt wurden. In der Konstruktion einer „breiten, undifferen- zierten ‚Opfer‘-Mehrheit aus überlebenden Soldaten des Zweiten Weltkriegs und der ‚Homefront‘-Generation“20 wurden auch die Konflikte der Zwischenkriegs- zeit begraben.21 Erst in den 1980er-Jahren brach das Verdrängte dann auf. Eine zentrale Rolle bei der Dissemination eines neuen Österreich-Bildes, das sich sowohl aus der ehemaligen K.-u.-k.-Monarchie als auch aus der Zeit des „Ständestaates“ speist und dem Bild des kleinen Landes in der kommunistischen Propaganda diametral entgegensteht, kommt in Die Getäuschten Leutnant Jel- linek zu, der von der neuerstandenen Heimat in jenen überzeitlichen Werten berichtet, auf die auch 1.  April 2000 rekurriert. Jellinek ist dabei eine ambiva- lente Figur, die zwischen Österreichertum und Bewährung in der Deutschen Wehrmacht oszilliert. Obwohl er sich auch zwischen 1938 und 1945 als Öster- reicher betrachtet und als Soldat im Rang eines hoch dekorierten Leutnants Mut bewiesen hat, gesteht er sich ein, als Mensch feig gehandelt zu haben, weil er sein „Österreichertum“ verleugnet hat. In der Ersten Republik als Lehrer für Geschichte und Geographie tätig, reproduziert Jellinek das vorherrschende offi- ziöse Österreich-Bild der Nachkriegszeit und fühlt sich unter seinen Mitgefan- genen, vor allem seinen österreichischen Landsleuten, wie vor einer Klasse jun- ger Menschen, „in denen er die Liebe zum Vaterland, das Bewußtsein seiner geistigen Größe, seiner Bedeutung, seiner Schönheit, seiner Aufgabe wecken und pflegen sollte“ (G 109). Er beschwört die „landschaftlichen Schönheiten der Heimat“ und spricht von den Reizen des Neusiedlersees und des Semmering, vom Zauber der Tauern und der Seen im Salzkammergut, vom Wintersportparadies in Kitzbühel und am Arlberg. Er ließ die Schönheiten des Stephansdoms und des Belvedere, von Melk und Hei- ligenkreuz, von Hohensalzburg und vom Goldenen Dachl vor ihnen aufstehen […] (G 110), eine touristische Bildfolge, die ganz ähnlich in 1.  April 2000 zu sehen ist. Auch in Die Getäuschten sind es, ebenso wie im Film, entpolitisierte Sehenswürdig- keiten oder die Landschaft selbst, denen die Funktion zukommt, überzeitliche Werte angesichts eines Bankrotts der Werte zu konstituieren und vor allem 20 Rathkolb: Die paradoxe Republik, S. 39. 21 Vgl. zur Bedeutung der Allegorie des „gemeinsamen Tisches“ für die österreichische Nach- kriegsidentität Günther Stocker: Der gemeinsame Tisch. Zu einer Allegorie der österreichi- schen Identität in den Anfängen der Zweiten Republik. In: Journal of Austrian Studies  48 (2015) H.  3, S.  1–20. Österreich: Zwischen „‚nicht mehr‘ und ‚noch nicht‘“ 551
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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