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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 557 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Erfahrungen mit der Besatzungsmacht“.33 In einer Rezension hebt Felix Huba- lek hervor, dass die sowjetische Praxis der Verschleppung34 unter der „Deckung und dem Mißbrauch der Besatzungsstatuten fast ungehindert“ möglich sei und dadurch die „Willkür und Grausamkeit“ der sowjetischen Besatzungsmacht in den besetzten Ländern „ganz besonders kraß zutage“35 treten würden. Die Erzählsituation von Kreuzers Roman wird in Form einer fiktiven Gerichts- verhandlung etabliert, die im Kopf von Mirko in den letzten Sekunden seines Lebens abrollt. Denn er begeht aufgrund der Schuld, die er sich durch seine ver- brecherischen Taten als „Menschenräuber“ aufgeladen hat, Selbstmord. Sequen- zen im dramatischen Modus, die den imaginären Prozess mit Richter, Ankläger, Verteidiger, Zeugen etc. schildern, alternieren mit erzählenden Passagen, die dem Gericht als „Lokalaugenschein“ dienen. Dabei wird deutlich: Mirko plant und führt die Verschleppungen durch, gerät jedoch angesichts seiner Handlun- gen in einen Gewissenskonflikt und verfällt der Spiel- und Trunksucht. In beson- dere Bedrängnis gerät er, als er die in Moskau geborene Rita, die bei einem Wie- ner Zahnarzt in der westlichen Zone beschäftigt ist, verschleppen soll. Als er sich in sie verliebt und dem Oberst, der Rita für eine amerikanische Spionin hält, von einer Verschleppung abraten will, gerät er in eine ausweglose Lage. Der Oberst droht ihm damit, die Akten, die Mirkos durchgeführte Verschleppungs- aktionen betreffen, an die Amerikaner weiterzugeben. Damit würde Mirko in eine lebensbedrohliche Situation geraten, wie ihm die Sekretärin des Obersts erklärt: wenn wir den Amerikanern das Material geben, gibt es für dich auf der ganzen Welt keinen Platz mehr, auf dem du in Frieden leben kannst. Entweder wir sind hinter dir her – oder die Amis. Du kannst drüben nur existieren, wenn du westli- cher Agent wirst. Und wie aussichtsreich das ist, hat dir ja eben der Oberst erklärt! (SS 152) Deutlich wird hier die Rechtlosigkeit, in die Mirko versetzt ist, der sich in das Netz der Geheimdienste verstrickt hat und dadurch in einen rechtsfreien Raum versetzt wird. Auch der Journalist, der den Fall aufgedeckt hat und im Prozess Mirkos gegen sich selbst als Zeuge auftritt, betont diesen Sachverhalt: 33 Manfred Scheuch: Von der Arbeiter-Zeitung zur „Neuen AZ“. Die AZ in der Zweiten Repub- lik. In: Peter Pelinka, Ders. (Hg.): 100 Jahre AZ. Die Geschichte der Arbeiter-Zeitung. Wien, Zürich: Europa-Verlag 1989, S.  115–200, hier S.  145. 34 Vgl. Stefan Karner, Barbara Stelzl-Marx (Hg.): Stalins letzte Opfer. Verschleppte und erschos- sene Österreicher in Moskau 1950–1953. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2009. 35 Felix Hubalek: Vom Menschenraub  … Franz Kreuzer: „Die schwarze Sonne“. Ein Tatsachen- roman vom Menschenraub. In: Forvm  3 (1956) H.  26, S.  67. Österreich: Zwischen „‚nicht mehr‘ und ‚noch nicht‘“ 557
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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