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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Die Berichte erzeugen im Roman aber nicht nur Hilfsbereitschaft bei der österreichischen Bevölkerung, sondern auch Angst, selbst von den Sowjets unter- worfen zu werden. So ruft ein Radiohörer die Westmächte zum Eingreifen auf: „Sie werden ihnen doch endlich zu Hilfe kommen, sie müssen doch endlich begreifen, daß es sonst allen an den Kragen geht, früher oder später!“ (TZ 142) Die Ereignisse bringen Berthold jedenfalls zu der tieferen Einsicht, dass er sich mit seinen romantischen Vorstellungen von der Revolution ins „Paradies der Märchenwelt“ (TZ 233) geflüchtet hat und er kommt – angesichts der Todesopfer, die mit dem Aufstand einhergingen – zu dem Schluss, dass nur „wer lebt, […] neu beginnen“ (TZ 234) kann. Die Tragik der Ereignisse in Ungarn übt auf ihn letztlich eine kathartische Wirkung aus und nach seiner Bewährungs- probe an der Grenze kann er geläutert nach Hause zurückkehren. Mitterers Roman, der sowohl als Jugend- als auch als Zeitroman rezipiert wurde, erschien zwischen dem 14.  April und 23.  Juli 1959 als Fortsetzungs roman in der Arbeiter-Zeitung, die in einer Kritik die Darstellung Bertholds und die Schilderung seiner Entwicklung als [b]ehutsam und zart“ bezeichnet hatte.53 Das Tagebuch kritisierte an Mitterers Roman zwar nicht, dass ein 15-Jähriger „die Konterrevolution in Ungarn für eine Revolution hält“,54 monierte aber vor allem eine Stelle des Romans, die unmittelbar die Sowjetunion kritisiert: Aus den ‚paar Stunden‘ des Widerstands, die, […] viele Tausende prophezeit hat- ten, wurden Tage, schließlich glomm zweifelnde Hoffnung in den Menschen auf: schon sprach niemand mehr von Narren, die jungen Helden wurden gepriesen, die soviel Todesmut zeigten, daß – so schien es – die Macht zur Reglosigkeit verurteilt war wie die Giftschlange vom Blicke dessen, der sich stärker weiß als sie. (TZ 110) Mitterer würde den „Lügenregen“ über den Aufstand zwar als „unveränderliches Schlechtwetter“ aufnehmen, so das Tagebuch, aber an ihrer Darstellung merke man, dass sie „über Dinge schreibe, die [sie] nicht weiß“, sie würde „ohne jenes tiefere Wissen von den Dingen, die den Dichter ausmachen“ mit solchen „ver- hatschte[n] Metaphern“ operieren.55 53 hg.: Ein Buch für Mütter und Söhne. In: Arbeiter-Zeitung, 30.11.1958, S. 14. 54 Friedl Hofbauer: Neue österreichische Prosa. In: Tagebuch 15 (1960) H. 9, S. 15. 55 Ebd. Wesentlich kritischer mit der Sowjetunion und dem Verhalten der eigenen Partei ist ein Text von Susanne Wantoch, der ebenfalls im Tagebuch erschienen ist: „Auch der Haß gegen die Niedrigkeit – sagte Bert Brecht / verzerrt die Züge. / Wenn aber der verzerrte Haß selbst in Niedrigkeit umschlägt? […] / Ach, wir erkannten zu spät: / Weil der Freund von Gewalttat und Blut trieft, / ist der Freund nicht unfehlbar. / Weil die schleimige Heuchelei falscher Gesich- ter / zum Himmel stinkt / wird die halbe Wahrheit in unserem Mund nicht rein.“ Susanne Wantoch: Die Last der Mitschuld. In: Tagebuch  11 (1956) H.  23, 1.12.1956, S.  2. Der gute Samariter 565
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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