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Funktionen und Ämtern tätig waren, befanden. Das wird auch in den Thrillern
von Dor/Federmann angedeutet.20
Verbrechen, Repatriierung, Spionage: Menschenraub im Kontext
Die sowjetische Justizpolitik, die in der Ostzone Österreichs ihre Anwendung
fand, spiegelte in ihrer Form der Urteilsfindung und -vollstreckung den „syste-
mimmanenten Terror unter Stalin wider“.21 So galt in den Jahren zwischen 1947
und 1950 „25 Jahre Haft“ als Höchststrafe für Vergehen wie „Spionage“ oder
„Sabotage“; jedoch gab es ab Januar 1950 mit dem Dekret über die „Anwendung
der Todesstrafe gegen Vaterlandsverräter, Spione, subversive Diversanten“ auch
Todesurteile. Die zahlreichen realen und imaginären Feinde, denen sich die Sow-
jetunion nach 1945 ausgesetzt sah, waren höchst unterschiedlicher Art. Zum Teil
glaubte man sie in der eigenen Herrschaftssphäre bereits beseitigt, während man
davon ausging, dass sie im Westen noch virulent waren und in den sowjetischen
Bereich eindringen könnten. Stalins Paranoia vor Spionen, Agenten und Sabo-
teuren, die stark antisemitische Züge trug, tat ihr übriges zu diesen Bedrohungs-
szenarien.22 Die vereinfachte Darstellung von komplexen Sachverhalten wurde
zur immer wieder vorgebrachten Ermahnung der sowjetischen Kalten Krieger.23
Für die Arbeiter-Zeitung sind die Phänomene „Menschenraub“ und „Ver-
schleppung“ in Österreich eng mit der sowjetischen Besatzung verbunden. Sie
griff immer wieder Fälle von sowjetischen Übergriffen auf und war auch hin-
sichtlich ihrer Kritik am politischen System der Sowjetunion nicht zurückhal-
tend. So kritisierte sie in mehreren Leitartikeln vehement jene „Unbekannten“,
die Österreicherinnen und Österreicher „belästigen oder überfallen“, also jene
„nächtliche[n] Gewalttäter, die unbekannt bleiben, weil entweder die Polizei sie
nicht erwischt oder […] nicht erwischen darf“24. Diese identifizierte die Arbei-
ter-Zeitung vor allem mit den Soldaten der sowjetischen Besatzungsmacht,
die gegenüber der Bevölkerung sowie den Behörden des Landes immun, also
„bevorrechtet, unantastbar, exterritorial“25 wären. Die Tatsache, dass Personen
auf österreichischem Boden verschleppt werden, beweist für die Zeitung die all-
gemeine Rechtlosigkeit, derer sich die Österreicherinnen und Österreicher aus-
geliefert sahen und da diese Praxis den Menschenrechten widerspreche, würde
20 Vgl. Stocker: Jenseits des „Dritten Mannes“, S. 118.
21 Stelzl-Marx: Verschleppt und erschossen, S. 23.
22 Vgl. Weiss: Ungeziefer, Aas und Müll. Feindbilder der Sowjetpropaganda, S. 109–122.
23 Vgl. Subok, Pleschakow: Der Kreml im Kalten Krieg, S. 161.
24 P[ollak]: Die Unbekannten, S. 1–2.
25 Ebd.
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584 15 Verschleppung und Menschenraub
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918