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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 587 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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einer „Gangsterbande“ (SS 26), gehört zu den engsten Mitarbeitern von Oberst Orlow und ist sein Mann fürs „Grobe“.31 Mit „Ätherfläschchen und Totschlä- ger“ (SS 24) ausgerüstet, verschleppt er für Orlow nicht nur ehemalige russische Staatsbürger, sondern „[ü]berhaupt Leute, die Orlow interessieren“ (SS 27) aus der Westzone. Hier ist es ebenfalls der Schmuggel mit Zigaretten, der als Ent- lohnung fungiert: „Die Russen bekamen kein Geld, aber hatten für jeden Trans- port von einer Million Zigaretten Anspruch auf eine Aktion in der Westzone.“ (SS 28) Benno wird jedoch von seinen eigenen Leuten verraten und während eines Verschleppungsversuchs von den US-amerikanischen Soldaten erschos- sen. Auch im Jugendroman Gefährliche Grenze von Paul Anton Keller sind es kri- minelle Elemente, nämlich drei „Zigeuner“, die planen, einen bekannten Pro- fessor aus Wien zu verschleppen. Die zwielichtigen Figuren sind sich darüber im Klaren, dass es die österreichische Polizei auf Menschenräuber abgesehen hätte: „Kann Kopf kosten!“ (GG 167). Da der Professor „den Russen und den Ungarn eine schöne Stange Geld wert“ (GG 168) ist, wollen sie aber von ihrem Plan nicht ablassen. Im Gegensatz zu Internationale Zone, in der die kriminellen Menschenräuber zwar ebenfalls als unsympathisch, kalt und gewissenlos geschil- dert werden, aber keine explizite Wertung vorgenommen wird, greift Keller bei der Charakterisierung der Menschenräuber auf rassistische Stereotype zurück. Ein wichtiges Motiv für die auf österreichischem Boden stattfindenden Ver- schleppungen war die sogenannte „Repatriierung“ ehemaliger sowjetischer Staats- bürger, die nach 1945 nicht freiwillig in die Sowjetunion zurückgekehrt waren. Dies ist auch die „Hauptsorge“ des Oberst Orlow in Die schwarze Sonne: „Ich habe da eine Liste der wichtigsten Fälle. Russische Staatsbürger, die nach dem Westen geflüchtet sind. Wir müssen sie wieder haben. Den größten Teil wenigs- tens.“ (SS 16) Damit ist Kreuzers Text sehr nahe an der Wirklichkeit, denn die ausführenden Stellen der sowjetischen Repatriierungspolitik waren Organe wie die Smerš („Tod den Spionen“), die Abteilung für Bekämpfung der Gegenspio- nage im sowjetischen Innenministerium, die Stalin direkt unterstellt waren und über eigene Abteilungen in allen Truppenformationen verfügten; dies vor allem auch deswegen, weil die Sowjetunion eine Gefahr darin sah, dass sowjetische dass infolge der fehlenden Souveränität Österreichs ein kriminelles Milieu entstanden sei, auf das die österreichischen Behörden keinen Zugriff hätten, da Täter durch exterritoriale Immu- nität, eben durch die sowjetische Besatzungsmacht, geschützt werden. Vgl. N.N.: Exterritori- ale Unterwelt, S.  1–2. 31 Möglicherweise spielt Kreuzer hier auf den Kriminellen Benno Blum an, der im Nachkriegs-Wi- en als Schieber tätig war und Menschenraub im Auftrag der sowjetischen Besatzungsmacht durchführte. Federmann hat ihm in einer kurzen Erzählung mit dem Titel Zigarettenballade ein Denkmal gesetzt. Reinhard Federmann: Zigarettenballade. In: Ders., Bertrand Alfred Egger: Raubersg’schichten. Wien: E.  Hunna 1962, S.  78–86. Verbrechen, Repatriierung, Spionage: Menschenraub im Kontext 587
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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