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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 593 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Was ist denn das für ein Wort? Ein schlimmes Wort ist das, ein ganz schlimmes, eines der schlimmsten! Dieser Mann, den Sie holen sollen, der gehört gar nicht in den Westen. Das ist ein alter Kollege von uns. Ist ausgerissen und hat eine Menge drüben verraten und verrät immer weiter. […] So einer muß zurückgebracht wer- den, damit er seine verdiente Strafe bekommt. (LV 112) Als Knolle sich weiterhin weigert, wird er damit erpresst, dass ihm ein nie auf- geklärter Einbruch angehängt würde und Knolle, der die Straftat tatsächlich begangen hat, diese zunächst aber abstreitet, wird mit lebenslanger Haft bedroht. Auf seine verzweifelte Frage, warum ausgerechnet er für dieses Unternehmen ausgesucht wurde, antwortet Bräsig, dass der SSD „für solche Sachen […] nur Kriminelle“ einsetzen würde, da, wenn er erwischt würde, „niemand an ein poli- tisches Verbrechen“ (LV 115) denken würde. Im Westen angekommen, telefoniert Knolle sofort mit dem westdeutschen Kriminalrat Berthold Prangel, der ihn 1939 verhaftet hat, um ihm die Verschlep- pungspläne des SSD mitzuteilen. Prangel, der nach 1945 selbst für den SSD gear- beitet hat, jedoch vom CIC umgedreht wurde, unternimmt sofort alles, um den geplanten Menschenraub zu verhindern. Für Prangel ist das Phänomen Men- schenraub ein Zeichen für einen tatsächlich ausgefochtenen Krieg: „Der neue Krieg, hier findet er schon statt! Es sind nicht nur Menschen entführt worden, es sind auch welche ermordet worden – in Westberlin!“ (LV 218) Die Motive des westlichen Geheimdienstes sind in Simmels Roman komple- mentär zu denen des Ostens, jeder ist daran interessiert, die Agentinnen bzw. Agenten des anderen in die Hände zu bekommen. Fanzelaus Entführung soll im letzten Moment verhindert werden, denn „dann werden ein paar Leute hochge- hen, an denen die Amis sehr interessiert sind“ (LV 218), wie Bräsig meint. Auch der Westen bietet Knolle ironischerweise eine eigene Kneipe an, was ihn dazu veranlasst, die beiden Seiten gleichzusetzen: „Det is ja hier jenau die jleiche Scheiße wie drüm!“ (LV 219) Die östliche Verschleppungsaktion wird schließ- lich vom Westen unterwandert und verläuft, vom Osten unbemerkt, ganz nach Plan des Westens. Während dieser zunächst einen Triumph im Agenten-Krieg feiern kann, wird Knolles Zusammenarbeit mit dem Osten und Westen vom Verfassungsschutz untersucht, was dazu führt, dass er weder die ihm verspro- chene Kneipe noch als politischer Flüchtling Asyl erhält. Stattdessen wird er vom Verfassungsschutz, der der Kalten-Kriegs-Paranoia verfallen ist und überall Ver- schwörungen ausmacht, verdächtigt, ein Agent des Ostens zu sein. Schlussend- lich stellt sich heraus, dass die Fluchttunnel dem Osten eigentlich dazu dienen, ein Agentennetz in Westberlin aufzubauen. Knolle dagegen war nur eine Schach- figur des Geheimdienstes, „ein winzig kleines Rädchen […] in dieser großen, großen Aktion des Ostens“ (LV 605). Verbrechen, Repatriierung, Spionage: Menschenraub im Kontext 593
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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