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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 600 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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zerrissen ist, „eine fremde unbeschädigte Jacke“ (ebd.) Die warmherzige Ums- orgung Adams durch die österreichische Bevölkerung wird hier in einem beson- ders stark emotionalisierten Bild einer mütterlichen österreichischen Bevölke- rung gefasst, die Adam wie einen heimkehrenden Sohn, einen Helden oder einen Kriegsheimkehrer aufnimmt und damit auch explizit seine Zugehörigkeit zum „Wir“ bestätigt, während die „Anderen“ die auszugrenzenden Aggressoren sind. Eingebettet ist diese zentrale Episode in einen Roman, der vom Schicksal und den Lebensumständen des jungen Arbeiters Adamek, genannt Adam, berichtet, der als Kranführer im OMEGA-Werk arbeitet. Die titelgebende Fabrik ist nicht einfach ein privater Betrieb, sondern ist dem Kollektiv OMEGA eingegliedert, das im Zusammenhang eines Romans, der zahlreiche Phänomene der Besat- zungszeit aufgreift, leicht als USIA lesbar wird. Diese bestand aus Unternehmen, die in der sowjetischen Zone lagen und als Eigentum des ehemaligen „Deutschen Reiches“ beschlagnahmt wurden. Der mächtige Block, mit ca. 40.000 Beschäf- tigten im Jahr 1950, agierte außerhalb österreichischer Gesetze, bildete die „zen- trale Machtbasis der KPÖ“65 und besaß einen bewaffneten Werkschutz von 2000 Mann. Diejenigen, die OMEGA beherrschen, sind die Funktionäre der Betriebsor- ganisation, die durchwegs als faul charakterisiert werden. Der sich schützend vor Adam stellende Bechtold, ein alter Marxist, der auch im Spanischen Bürger- krieg gekämpft hat und im KZ interniert war, urteilt über die „faulen Funktio- näre“: „‚Sie sind die Ärgsten! […] Sie haben die Freiheit verraten! Sie haben unsere Sicherheit und unser Brot gegen ihre Macht eingetauscht.‘“ (OF 29) Tat- sächlich stellten KPÖ-Mitglieder einen großen Teil der Führungskräfte in den USIA-Betrieben, die Leitung erfolgte durch einen sowjetischen Generaldirektor, die Arbeiter rekrutierten sich aus dem Umfeld der KPÖ.66 Bednariks Roman bleibt hinsichtlich der Zeitumstände jedoch obskur, es wird im Laufe der Erzäh- lung nicht klar, wann die tatsächliche Handlung des Romans stattfindet, „ob im Heute oder im Morgen, ob er eine Art ‚negative Utopie‘ ist oder ein romanhaft geschriebener Gegenwartsbericht“,67 wie in der Besprechung in der Neuen deutschen Literatur angemerkt wird. Hans Weigel glaubt hingegen in seiner Rezension zu erkennen, dass Bedna- rik in die „unmittelbare politische und soziale Gegenwart eines ganz bestimm- ten Wiener Sektor[s] hinleuchtet“ und die Figuren bewusst in das ganz reale 65 Vgl. Otto Klambauer: Die USIA-Betriebe in Niederösterreich. Geschichte, Organisation, Doku- mentation. Wien: Selbstverlag des niederösterreichischen Institutes für Landeskunde 1983. 66 Vgl. Andrea Komlosy: Die Niederösterreichische Wirtschaft in der Zweiten Republik. In: Michael Dippelreiter (Hg.): Niederösterreich. Land im Herzen, Land an der Grenze. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 2000, S.  271–428, hier S.  331. 67 Peter Schuerl: Der „Schlurf“ und die Freiheit. In: Neue deutsche Literatur  3 (1955) H.  2. S.  147–148, hier S.  148. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 600 15 Verschleppung und Menschenraub
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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