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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 601 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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erlebte Zeitgeschehen mit Terror und Menschenraub hineinstellt. Für Weigel zeugt es von Bednariks politischer Zurückhaltung, „wenn manches nicht beim Namen genannt wird“, man ahne viel mehr, als man genau erfahre, „wer im Hin- tergrund die Drähte zieht, von wem man wegen ‚Sabotage‘ zur Verantwortung gezogen zu werden fürchtet.“68 Zum Verhängnis wird Adam, dass er aus Unachtsamkeit einen Unfall auslöst, der einen Kollegen beinahe das Leben kostet und ihn dem Verdacht der Sabo- tage aussetzt. Eine „Welle von Geraune [geht] durch OMEGA“, die „vor keinem Ohr halt“ macht: „‚Sabotage! Sabotage! Sabotage  …!‘“ (OF 152). In der „B.[etriebs] O.[rganisation]“ wird eine „Anklage zusammengebraut“ (OF 167), die schließ- lich, – Adam befindet sich bereits auf der Flucht, weil er die Konsequenzen des von ihm verursachten Unfalls fürchtet –, in dessen versuchter Verschleppung endet. Für den Rezensenten des Tagebuchs, Wilhelm Tepser, entbehrt die Schil- derung eines versuchten Menschenraubs freilich „jeder Glaubwürdigkeit“.69 Die zweite literarische Fassung des Vorfalls auf der Schwedenbrücke findet sich in Dor/Federmanns Und einer folgt dem anderen. Der Journalist Alexander Lutin, Ich-Erzähler und Protagonist des Romans, erhält an einem heißen Augusttag einen Anruf, in dem ihm eine „aufgeregte Frauenstimme“ (EFA 34) mitteilt, dass an der im britischen Sektor gelegenen Philadelphiabrücke „ein Auflauf um einen russi- schen Jeep entstanden sei“ (Ebd.). Lutin geht zunächst davon aus, dass es sich um einen Verkehrsunfall handelt, erkennt jedoch dann, dass zwei russische Soldaten mit umstehenden Passanten streiten. Aus seinem Wagen heraus beobachtet er, wie ein Soldat sich schließlich Platz macht, indem er mit seiner Maschinenpistole her- umfuchtelt und auf eine Menschengruppe zueilt, aus deren Mitte er einen Mann mit einem „blasse[n] Vogelgesicht“ (EFA 35) packt. Eine dicke Frau schlägt dem Soldaten mit einer vollen Einkaufstasche die Waffe aus der Hand und der Mann kommt frei. Lutin, der nun selbst versucht, sich zu der Gruppe um den bleichen Mann durchzudrängen, kann diesem jedoch keine Fragen mehr stellen, weil eine interalliierte Militärpatrouille eintrifft, die den Mann in Gewahrsam nimmt. Lutin versucht die Vorgeschichte von den umstehenden Passanten zu erfahren: Der Mann war ursprünglich in dem russischen Jeep gesessen. Aber als der Jeep über die Brücke fuhr, hatte er begonnen zu schreien und um sich zu schlagen; in- folgedessen war der irritierte Chauffeur gegen das Geländer gefahren. Der Mann war aus dem Wagen gesprungen und hatte um Hilfe geschrien. Sogleich rotteten sich einige Passanten zusammen und hinderten die Russen, ihn in den Wagen zurückzuzerren. (EFA 35) 68 Hans Weigel: Ein bedingt utopischer Roman. In: Die Neue Zeitung, 26.9.1954. 69 Wilhelm Tepser: Der Schlurf und der schöpferische Arbeiter. In: Tagebuch 10 (1954) H.  24, 4.12.1954, S.  8. Empörte Passanten: Das Volk wehrt sich 601
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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