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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 603 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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wenig spektakulären Begebenheit und den Entführungen in Wien während der Besatzungszeit deutlich zu machen. Torbergs Zeitschrift trifft damit ein verbrei- tetes Phänomen zeitgenössischer kommunistischer Argumentation. Tatsächlich drehten die kommunistischen Medien wie die Österreichische Volksstimme die Sachverhalte in Bezug auf den Menschenraub in ihrer Bericht- erstattung um. In deren typischen Berichten wohnen die Opfer von Menschen- raub nicht in einer der westlichen, sondern in der sowjetischen Besatzungszone. Die Verschleppung wird nicht durch die Zusammenarbeit der Sowjets mit Poli- zei oder verbrecherischen Elementen durchgeführt, sondern von den Amerika- nern in Kooperation mit den österreichischen Behörden. So wird etwa der Wie- ner Polizeipräsident Josef Holaubek beschuldigt, seine Beamten zu verpflichten, für die US-Besatzungsmacht Entführungen durchzuführen.72 Die kommunis- tische Propaganda versuchte der Berichterstattung der Arbeiter-Zeitung mit dem Argument entgegenzutreten, ihre Darstellungen wären Lügen und nur anti- kommunistische Propaganda. Sicher spielen propagandistische Absichten in der Arbeiter-Zeitung eine Rolle, doch kann deswegen die heute in zahlreichen Fällen belegte Beteiligung der sowjetischen Besatzungsmacht an Verschleppun- gen aus Österreich nicht einfach geleugnet werden. So wird etwa die Meldung der Polizeidirektion Wien, die sowjetrussische Stadtkommandantur hätte die Verschleppung der Marija  V. Subač wegen Verbrechens gegen die Besatzungs- macht zugegeben – dieser Fall wurde weiter oben ausführlich beschrieben – als ein „Musterstück von Hetzlüge“ angesehen: „Nicht ein einziges Wort aus seinem [Holaubeks] Mund ist wahr. Alles Lüge!“ 73 An die diskursive Strategie der Schuldabschiebung, dass Menschenraub näm- lich auf das Konto der USA und vor allem des US-Geheimdienstes geht, der sei- ne angeworbenen Spione als Werkzeug missbraucht, schließt Susanne Wantochs Das Haus in der Brigittastraße an. Bei Wantoch, die als freie Journalistin und Kritikerin für verschiedene kommunistische Medien wie die Volksstimme, Abend und das Tagebuch arbeitete, ist es der junge Künstler Ferdinand Kre- nek, der in die Fänge des amerikanischen Geheimdienstes CIC gerät und, nach- dem er sich weigert, für diesen zu arbeiten, verschleppt wird. Der Handlanger des CIC, ein brutaler Schläger namens Binny, der ihm in seinem herunterge- kommenen Hotelzimmer auflauert, soll Krenek nun dazu zwingen. Zunächst versucht er es mit Erpressung: „Es gibt ein halbes Dutzend Zeugen, die beob- achtet haben, wie Sie kleine Kinder in Ihr Zimmer gelockt und dann die Tür In: Forvm  3 (1956) H.  26, S.  46. 72 Vgl. N.N.: Menschenraubzentrale Polizeipräsidium. In: Österreichische Volksstimme, 19.4.1951. N.N.: Der tägliche Menschenraub der Amerikaner. In: Österreichische Volks- stimme, 17.6.1951. 73 N.N.: Noch eine Lüge zusammengebrochen. In: Österreichische Volksstimme, 21.6. 1951. Verschleppung aus der Perspektive der kommunistischen Propaganda 603
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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