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Verbindung mit der Atomenergie zu einer Apokalypse führen könnten, und Emotion,
Vitalismus und Weiblichkeit. Dem zweiten Paradigma wird eine stärkere Affinität zum
Christentum unterstellt.
Für sein Drama Russische Ostern wurde Becsi 1957 beim Dramatikerwettbewerb der
Bregenzer Festspiele ausgezeichnet. Die Uraufführung des Stückes fand 1959 im Wiener
Theater „Tribüne“ statt; die geplante Aufführung im Burgtheater wurde aus Angst vor
einer Verärgerung der Sowjetunion abgesagt (Bortenschlager, S.
88
f.) Das Drama ist dem
christlichen russischen Philosophen Nikolai Berdjajew gewidmet, der 1922 aus der Sow-
jetunion ausgewiesen wurde. Es konstruiert eine klar wertende Opposition zwischen
Religion und Fortschrittsgläubigkeit, die beide mit Russland verbunden werden, wobei
die wissenschaftliche, atheistische Seite deutlich negativ gezeichnet wird. Die Handlung
wird zudem geprägt von der großen „Antithese: Individuum – Kollektivität“, wie Edwin
Rollett treffend bemerkt. Zwischen 1957 und 1964 gab Becsi die Schriftenreihe Orient-Ok-
zident der österreichischen UNESCO-Kommission heraus. In den 1960er-Jahren entwi-
ckelte er seine geistige und kosmische Dramatik weiter. 1971 erschien seine kulturphilo-
sophische Schrift Aufmarsch zur Apokalypse.
Becsi war Rat des auswärtigen Kulturdienstes, Leiter des Institutes für Dramaturgie
an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst, ab 1967 ao. Prof. und ab
1985 o. Prof. 1955 erhielt er den Dramatikerpreis der österreichischen Liga der Vereinten
Nationen, 1961 den Österreichischen Staatspreis für Literatur.
Quellen:
Kurt Adel: Zweimal „Faust in Moskau“. Kurt Becsi zum fünfzigsten Geburtstag. In: Österreich in
Geschichte und Literatur 14 (1970) H. 3, S. 123–138.
Kurt Becsi: Theater der dreifachen Revolution. In: Österreich in Geschichte und Literatur
14
(1970) H. 6, S. 294–308.
Wilhelm Bortenschlager: Kurt Becsi. Dramatiker einer neuen Weltsicht. Innsbruck: Wagner 1981.
N.N.: [Autoreninformation]. In: Kurt Becsi: Russische Ostern. Schauspiel in drei Akten. Mit einem
Vorwort von Friedrich Schreyvogl. Wien, München: Wedl [1958/59], S. 112.
Gerhard Lüdtke, Werner Schuder: Kürschners deutscher Literaturkalender. Berlin: de Gruyter
1988.
Edwin Rollett: Der Mensch im Kampf der Welt. „Russische Ostern“ von Kurt Becsi – Uraufführung
in der „Tribüne“. In: Wiener Zeitung, 7.4.1959, S. 5.
Karl Bednarik
geboren am 18.7.1915 (Wien), gestorben am 14.1.2001 (Wien). Bednarik wuchs im Wie-
ner Arbeitermilieu auf. Seine Jugenderinnerungen an die Zwischenkriegszeit hat er im
autobiographisch geprägten Roman Die Aplatas beschrieben, der 1997 in einer Kleinstau-
flage im Eigenverlag erschienen ist. Nachdem er eine Lehre zum Buchdrucker absolvier-
te, wurde er 1934 wegen seiner Mitgliedschaft bei der „Sozialistischen Arbeiter-Jugend“
aus dem Dienst entlassen. Für den Zeitraum von 1934 bis 1938 ist keine berufliche Tätig-
619Autorinnen-
und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918