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beschäftigen und verfasste einen Text für den von Günther Birkenfeld herausgegebenen
Band Sprung in die Freiheit (1953). Vgl. zu Dors Engagement gegen kommunistische
Diktaturen besonders der DDR auch: Milo Dor an Hans Werner Richter. Stark beachtet
wurde der mit Federmann herausgegebene Band Gemordete Literatur. Dichter der russi-
schen Revolution (1963), der Texte von Dichtern versammelte, die vom Stalinismus ver-
folgt worden waren. Die beiden Romane Nichts als Erinnerung (1959) und Die weiße Stadt
(1969) bilden gemeinsam mit Tote auf Urlaub die zum Teil autobiographische Raikow-Sa-
ga, die als Gesamtausgabe 1979 bei Langen Müller erschien. Die drei Romane wurden
Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er-Jahre fürs Fernsehen verfilmt.
Dor schrieb weitere Romane, Erzählungen, Hörspiele und Drehbücher, in denen histo-
risch-politische Themen und die Geschichte Mitteleuropas im Zentrum stehen und war
auch kulturpolitisch als Vizepräsident des österreichischen PEN-Club, und seit 1971 als
Präsident der IG Autoren sehr aktiv. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1962 den
Österreichischen Staatspreis für Literatur.
Quellen:
Milo Dor: Worte, auf die graue Wand geschrieben. In: Plan 1 (1945) H. 7, S. 573.
Milo Dor an Hans Werner Richter, Hans Magnus Enzensberger, Wolfgang Hildesheimer, Heinz von
Cramer und Robert Jungk, Brief vom 28. Oktober 1960. In: Hans Werner Richter: Briefe. Hg. v.
Sabine Cofalla. München: Hanser 1997, S. 323 f.
Milo Dor: Auf dem falschen Dampfer. Fragmente einer Autobiographie. Wien: Zolnay 1988.
N.N.: Dossier Milo Dor. In: Literatur und Kritik 28 (1993) H. 1 = 271/272, S. 55–80.
h[ans.h[heinz].h[ahnl].: Tote auf Urlaub. In: Die Zukunft. Sozialistische Monatsschrift für
Politik, Wirtschaft, Kultur (1952) H. 7/8, Juli/August, S. 243.
Helmuth A. Niedlere (Hg.): Milo Dor. Beiträge und Materialien: Wien, Darmstadt: Zsolnay 1988.
N.N.: „Die Verbannten“. Dankbarkeit unerwünscht. In: Wochen-Presse (1962) H. 44, 3.11.1962.
Hans Weigel: Mitteleuropas heimatlose Linke. In: Der Monat 4 (1952) H. 43, April, S. 87–91.
Reinhard Federmann
geboren am 12.2.1923 (Wien), gestorben am 29.1.1976 (Wien). Federmanns Vater war
Oberlandesgerichtsrat, der wegen der Nürnberger Gesetze nach dem „Anschluss“ Öster-
reichs im März 1938 vom Dienst suspendiert wurde und 1944 Selbstmord beging. 1942
zur Deutschen Wehrmacht einberufen, geriet Federmann 1944 in russische Kriegsgefan-
genschaft, aus der er im Herbst 1945 entlassen wurde und nach Wien zurückkehrte.
Neben dem (unabgeschlossenen) Jus-Studium absolvierte er 1946 ein Volontariat im
Verlag Erwin Müller, wo er Kontakte zum österreichischen Literaturbetrieb knüpfen
konnte. Erste literarische und kulturpolitische Veröffentlichungen folgten in der von Otto
Basil herausgegebenen Literatur- und Kulturzeitschrift Plan. Er zählte zum literarischen
Kreis um Hans Weigel im Café Raimund. Neben kulturpolitischen Artikeln sowie Pro-
satexten für die Arbeiter-Zeitung (AZ) verfasste er Gedichte, Theaterstücke sowie
Hörspiele und fertigte Übersetzungen aus dem Englischen und Russischen an.
625Autorinnen-
und Autorenlexikon
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918