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5 Honorarkonsuln
5.1 KategorienundAuswahl
Es gab vier Kategorien von Honorarkonsularfunktionären: Generalkonsuln, Kon-
suln, Vizekonsuln und Konsularagenten. Für das übergeordnete Amt waren sie
einewichtigeInformationsquelle.
HonorarfunktionärewurdeninersterLinieausortsansässigenangesehenenGe-
schäftsleutenausgewähltundihreErnennungerfolgteaufVorschlagdesAußenmi-
nisters durch den Kaiser. Vorzugsweise wurden Staatsangehörige der Monarchie
genommen. Für ihr Amt, das soziales Prestige285 und Schutz einbrachte, erhiel-
tensiekeineBezahlungausÖsterreich-Ungarn,warenaberberechtigt, tarifmäßige
Konsulargebühren für sich zu behalten. Diese Funktionäre mussten alle Kanz-
leiauslagen (Schreibkräfte, Miete, Kanzleimaterial etc.) aus eigenen Mitteln be-
streiten. Postportoauslagen, Anschaffungskosten für Siegel und Wappen sowie die
österreichischen oder ungarischen Staatsangehörigen gewährten Unterstützungen
wurden vergütet.286 Die neue Konsular agge (= österreichisch-ungarische Han-
dels agge), die ab 1. August 1869 vorgeschrieben war, wurde den Honorarkonsu-
lateninderLevantevomStaatbezahlt,dieübrigenHonorarkonsulatemusstendie
Kostenselbsttragen.287
Im Gebiet der europäischen Türkei scheinen nach 1800 Bestechungen in ös-
terreichischen Konsulaten häu g gewesen zu sein. Selbst Generalkonsuln wurden
von solchen Zumutungen nicht verschont, wie Hammer-Purgstall in seinen Erin-
nerungenalsGeneralkonsul inderMoldauberichtet.288
Honorarkonsuln,dieetwainderzweitenHälftedes19.JahrhundertsindasGe-
biet Rumäniens oder andere Österreich nahe gelegene Gebiete der Türkei gelockt
wurden, bekamen unterschiedliche Beträge zur Amtsführung angewiesen, gehör-
ten aber nicht zu den Staatsbeamten, das heißt, sie hatten keinen Anspruch auf
eineStaatspension.InberücksichtigungswürdigenFällenwurdeallerdingsaufdem
Gnadenwege eine Pension bewilligt. Solch angeworbene Konsuln kamen aus dem
Militärstand oder bekleideten vorher untergeordnete Justizstellen in der Monar-
chie.
285 Ernst v. Maurig an das Außenministerium, Simla, 26. Juni 1902, Z. LXI, vertraulich, drin-
gend: indische Geschäftsleute erreichen durch eine konsularische Honorarstelle für sich und
ihre Damen das Recht des Zutritts zum vizeköniglichen Hof oder zu den Höfen der Gouver-
neure, was hier im gesellschaftlichen Leben nicht zu unterschätzende Vorteile verschafft. AR
F8/404.
286 Jb.1898,S.367.
287 MalfattiBd.1,S.161.
288 Hammer-Purgstall,S.159f.;Heindl,S.40.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918