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haben. Bei Personen, die sein Missfallen erregt hatten, durfte das Kanzleipersonal
keineAmtshandlungenvornehmen.
In Beschwerden wurde immer wieder auf verhältnismäßig lange Wartezeiten
vor dem Zimmer des Amtsvorstandes hingewiesen und das Anschreien von Par-
teiengerügt,die imKonsulatverkehrten.
1904 wurde Konsul Rappaport beschuldigt, ein Christenmädchen, das gegen
ihren Willen in einen Harem in Bitola gebracht werden sollte und beim Kon-
sul Hilfe fand, den Umstand ausgenützt und dasselbe missbraucht zu haben. Sein
Vorgesetzter GK Müller-Roghoj hielt eine nähere Erhebung über das Gerücht,
das Rappaport mit einer
Weiber-Affaire in Verbindung brachte, für über üssig.
SeineAbberufungausMakedonienhabedamitnichtszutun.InWienmusstesich
der Konsul rechtfertigen. Er bezeichnete das Bitolaer Vorkommnis als Er ndung,
derenUrsprungaufpolitischer,derenVerbreitunghingegenaufpersönlicherBös-
willigkeit beruht! Der Konsul war zu einer formellen Untersuchung bereit. Da-
mit gab sich das Außenministerium zufrieden.317 1906 kehrte der Konsul zurück.
1909 brachte der österreichische Lehrer an der Eisenbahnerschule in Skopje ge-
gen den Konsul eine Ehrenbeleidigungsklage ein. Die Hauptverhandlung wurde
am 6. Juli 1909 in So a anberaumt. Da der Kläger nicht erschien, wurde Rap-
paport freigesprochen.318 Neben Zeitungen beschäftigten sich auch Abgeordnete
im Parlament mit Missständen. Abgeordneter Breiter rügte unwidersprochen den
fehlenden Schutz durch unsere Konsuln im März 1903. Er führte massenweise
Ausweisungen österreichischer Arbeiter aus Preußisch-Schlesien im Jahr 1902 an
und rügte, dass österreichische Angehörige nach Tötungen bei Arbeitsstreik keine
Entschädigung erhielten, während sie andere Staatsangehörige schon erreichten.
Für Breiter waren Konsulate nichts anderes als Paradeinstitutionen für hoch-
adelige Herren, um ihnen die politische Carriere zu ebnen 319. 1905 schrieb der
Amtsleiter inRiodeJaneiroüberKonsularattachéDr.v.Mi kowski,dassdieser im
Parteienverkehr häu g erregt und barsch sei, außerdem verachte er den Handels-
stand.320
317 ARF4/280Pe.Rappaport Anschuldigungen, fol.247 251.
318 AR F 4/280 Pe. Rappaport, fol.385f. Das Konsulat in Skopje hätte volle Jurisdiktionsgewalt
gehabt.
319 StenographischeProtokolle1903,S.19148f.
320 ARF4/220Pe.Mi kowski.
Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Title
- Die effektiven Konsuln Österreich(-Ungarns) von 1825-1918
- Subtitle
- Ihre Ausbildung, Arbeitsverhältnisse und Biografien
- Author
- Engelbert Deusch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- Size
- 17.4 x 24.4 cm
- Pages
- 736
- Keywords
- Konsularbiografien, Konsularausbildung, Pflichten eines Konsuls, österreichisch-ungarische Konsulate, Arbeitsverhältnisse, Honorarkonsuln, Repräsentation
- Categories
- Geschichte Vor 1918