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relangerQual,wenndasGeschöpf tief imHerzenderMutter ist [Hervorh.v.
E. F.], es langsamverderbenzusehen.“446
EinerseitswirddieUnerträglichkeit realherrschenderZuständedurchdie
ZustimmungzueinemderartigenVorschlagauferschütterndeWeiseakzentu-
iert:
IndenFürsorgestellenderHeilanstaltAlland–wirhabennurdie eine für tausendeTu-
berkulose [Hervorh.v.E. F.]–kannmandaseineBildderZerstörungsehenwie täglich
kleineKinderhingebrachtwerdenmitdemschrecklichenlangsamenTodimLeibe.Man
mußdenskelettartigabgemagertenKörpereinessolchenKindessehen,dasmühsameAt-
menseinerarmenBrust.UnddieMutterstehtdabeiundmußesmitansehen.[Hervorh.v.
E.
F.] Sie erfährt vondenÄrzten,daß ihrKind lungenkrank ist, daßesabernichtsgibt,
eszuretten.447
InAnbetrachtrealumgesetzterEuthanasie imNationalsozialismuserscheint
dieunumwundeneZustimmungFeldmannszudiesemtheoretischenVorschlag
aberäußerstprekär.
DasThemader ledigenMutterschaftwirdauch ineinemanderenBeitrag
aufgegriffen,woFeldmann–einpoetologischesPrinzipderNeuenSachlichkeit
aufgreifend–eine jungeFraumiteinemSäuglingaufdemArmbeobachtet.448
IndieStraßenbahnstiegeineFrauein.SiemochteetwafünfundzwanzigJahrezählen.Sie
kamausderGebärklinikundhatte einenSäugling aufdemArm.Sie sahnicht auswie
eineverheirateteFrauderwohlhabendenStände.An ihremFinger fehltederRingund
auch sonstmerktemanes ihr an,daß sie vielleichtnicht immergetanhatte,was ‚recht
undbillig‘war. […]DasKindschriekläglichund lebensschwach.Wieverlassenmußte
dieFrausein,wennniemandsieabgeholthatte. IhrGesichtwartotenblaß.Diemageren
entkräftetenHändekonntenkaumKindundBündelhalten.Bei einerHaltestelle steigt
dieFrauum.Sie fährt indieVorstadt.449
In die „Hölle derArmut“, wie Feldmann kommentiert, die demLeser das
Gesehene alsMenetekel vorAugen stellt: „DerKampfder Straße trägt den
Kampf indieHäuserundnimmt ihnendenFriedenundsagt: ‚Nie sollt ihr
Ruhefinden, solangeesdraußenRuhelosegibt‘…“450
Auffallendangesichts ihrerAuseinandersetzungmitdemThemader ledi-
genMutterschaftist,dassFeldmannindiesemZusammenhangzudeminder
Zwischenkriegszeitbesonders imUmfeldderSozialdemokratieheißdiskutier-
tenThemaderAbschaffungdesAbtreibungsparagraphen144nichtStellung
446 Ebd.:S.
4.
447 Ebd.:S.
4.
448 Vgl.: S. 126vorliegenderArbeit.
449 ElseFeldmann:Herbsttag. In:AZNr.:280.12.10.1923.S. 9.
450 Dies.:Herbsttag. In:AZNr.:280.12.10.1923.S. 9.
http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 | CC BY-NC-ND 4.0
© 2021, Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Zeltgasse 1/6a, A-1080 Wien
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Else Feldmann: Schreiben vom Rand
Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Title
- Else Feldmann: Schreiben vom Rand
- Subtitle
- Journalistin und Schriftstellerin im Wien der Zwischenkriegszeit
- Author
- Elisabth H. Debazi
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21213-3
- Size
- 15.8 x 23.4 cm
- Pages
- 306
- Keywords
- L
- Category
- Biographien