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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Page - 313 -
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313 Tagebuch 1938/2 wir noch, ob wir ihm nicht ein Trinkgeld geben müßten, diesmal entpuppt er sich als „Wissenschaftler“. Er macht eine Abhandlung über berühmte Leute, die durch Selbstmord endeten u. fragt uns aus, ob Fey sich das Leben genommen oder hinü- berbefördert worden sei. Bei M. Bataille ist nicht viel los. Ein kleines Fragment einer Anbe t[un] g [der] Könige (die Hälfte ohne d. Madonna u. d. knieenden König) sieht im Stil Vernons aus […]. Auf d. Rückseite ist ein Engel von der Annunzierten Ma- donna, die gleichfalls fehlt. Ein wenig Bellangig. Aber sonst nichts. Und bei seinen Schwiegereltern auch nur Dinge „die man hat, aber nicht kauft“.29 10. [September] Reims (Hôtel Moderne, ruhigst, billig). Wenn ich mir bez[iehungsweise] wenn ich uns einmal das Leben nehme, so nur in einem sehr vornehmen Hôtel. Es gehört doch eine Umgebung dazu, die einen mehr anspricht. Inzwischen haben wir heut früh hier die Kirche St. Jacques u. die Kathe- drale besucht. Ich saug’ mich gern voll mit solchen sightseeings, wenn man doch nach Amerika hinüberreist. Im Museum wars fürchterlich gehängt. Man könnte eine sehr eigenartige u. erstklassige Sammlung draus machen, wenn man es richtig aus- misten u. mit Atempausen aufhängen könnte. Diese Folge von gotischen Gobelins u. gotisch gezeichneten Tüchern (Die „mystères de la revanche de Jesu Christ“) und die S[amm]l[un]g mit den Corot- u. Zeitgenossenbildern, die 5 Musikanten von d. Hausfassade herunter, der Bronzekandelaberfuß  – wie ist das doch alles schön ! Der Conservateur ist ein Maler, genau wie man sich ihn vorstellt. Der Hut sogar oben spitz ! Eine Do[menico] Campagn[ola]zeichn[ung] ist wohl nur eine spätere Fassung, die eine Landsch[aft] von Do[menico] C[ampagnola] mit einem späteren Engel ver- knüpft  – kann wegbleiben. Von einem sog[enannten] Fr[ancesco] da Ponte haben wir uns ein Photo bestellt ([…] Rue St. Jacques), da d. bedeutende Blatt wohl zu unseren „verlorenen Fresken gehört“. Aber wie das schon ist : um 12h12 waren wir fertig mit allem  – und um 12h10 war d. Zug nach Paris abgefahren. So haben wir gut ausgeruht u. ziehen jetzt los  – nach Paris.30 13. [September] Was erlebt man nicht alles während eines Tages ! Wir kamen also  – Samstag abends in Paris an, wo wir Blumen von Liesbeth im Hôtel vorfanden. Wir wässerten sie ein, tele ph[o nierten] an Floch (wo Störung war), an Liesbeth (zu der wir nach d. Nacht- mahl gingen), nachtmahlten Chez Georges, wo wir Ehepaar Steiner trafen, kamen ½  1 auf vom Métro Trocadéro nachhaus, trafen auf d. Métro Edel. Das ist bekannt- lich so in Paris. Als wir es (gestern abend) Floch erzählten, sagte er („alles schon dagewesen“) : „das ist ja ganz selbstverständlich, denn die Franzosen sind noch alle Nächste Seite: Abb. 85 : Tagebuchseite innen.
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
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