Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Page - 316 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 316 - in Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)

Image of the Page - 316 -

Image of the Page - 316 - in Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)

Text of the Page - 316 -

316 Tagebuch 1938/2 am Land.“ (also : muß man doch  – bez[iehungsweise] kann man doch nur  – Steiner u. Edel treffen). Bei Liesbeth waren auch d. Eltern (aus Versailles, der Vater noch stark boulversé, die Mutter unverändert). Sie fahren demnächst nach Canada u. Bahama, wo sie eine Insel kaufen wollen. Den Sonntag (mit entzückend blondem lichtblau- äugigem Wetter verbrachten wir zumeist in d. Iranischen Ausstellung (mit Lies- beth), den Abend mit Edel Chez Georges und Café. Mir war wenig gut am mor- gen u. auch noch am nächsten Tag (gestern), daß ich kaum aufstehen konnte. Nach dem Frühstück gab es sich dann. In- zwischen hatte sich d. polit[ische] Lage immer mehr zugespitzt, die Antwort aus London (von d. Society) beruhigte uns auch nicht, was unsere amerik[anische] Immigrat[ion] anbelangt u. wir be- schlossen aufs amerik[anische] Konsulat zu fahren. Ich fragte Hans, ob er ent- schlossen wäre den Krieg mitzuerleben u. welche Schritte zu unternehmen wä- ren. Er sagte, er wäre entschlossen. Ich hatte in meiner etwas seasicken Verfas- sung auf ein nein gehofft, meine Ma- genstimmung war einem Selbstmord- vorhaben günstig. Beim Konsulat war ein Mädchen sehr nett u. ihre Auskunft ermutigend. Beim Mittagessen mit Lies- b[eth] u. Jury Beckman in d. Rue […], nachher im Louvre bei Verne (wegen Verlän- gerung d. Aufenthalts  – taube Sekretärin !) bei d. Zeichnungen, wo nur getratscht wurde (Lebrun glaubt nicht an Krieg „Ca s’arrangera“). Kurzes Ausruhen zuhaus, Abend bei Floch, wo wir Janek Merkel trafen. Inzwischen hatte der Führer gespro- chen u. Extrablätter wurden verkauft. Die Stadt ist so still, man hört kein Wort auf d. Straße. Nachts von einem Fliegerangriff geträumt, den wir mit 100en andern Hotelgästen über Weisung auf d. Hausdach erwarteten. Ich hatte eigene u. fremde Kinder um mich u. Hans neben mir. Aber Anderl kam u. kam nicht. Ich ging ihn suchen rief „Anderl“ u. „Anderl“, bis ich erwachte. (Frau Mimis Cremetorte oder die tatsächl[iche] Kriegserwartung ?)31 19. [September] Ich habe fast eine Woche lang nicht geschrieben. Es war zu aufregend. Kunsthisto- r[i sche] Erlebnisse : nur ein Besuch bei Mathey, wo wir eine sehr bedeutende Z[eich- nung] von Canuti ([…] sitzender Zeus oder so was) u. einen wohl vläm[ischen] Primitiven auf Pergament sahen, eine von vielen Rittern angebetete sitzende Anna Selbdritt mit (von andrer Hand gezeichnet[em]) architekt[onischem] Abschluss. Für Abb. 86 : Passierschein für den Louvre.
back to the  book Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)"
Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Erica Tietze-Conrat