Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Page - 323 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 323 - in Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)

Image of the Page - 323 -

Image of the Page - 323 - in Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)

Text of the Page - 323 -

323 Tagebuch 1938/2 eine scheußliche Nacht nachher. Und heute früh war ein richtiger Überschwem- mungsregen, wir fuhren  – nachdem uns Marignane einen Gegenbesuch gemacht hatte, nach Avignon zurück. Hier warten wir auf d. Rückantwort aus Bayonne, ob wir d. Z[eichnung]en überhaupt sehen können ! Um 4 war das Telegr[amm] noch nicht da. Nach Burgls Abreise waren wir im Museé Calvet u. sind dann ernstlich schlafen gegangen. Hans hält noch dort.  –38 Es ist ½ 7 abends. Was wird der Tag noch bringen ? ! 29. [September] Ich sitze  – wo sitz ich ? ich weiß es nicht !  – Auf einem Bahnhof bei Regen, Strecke Avignon  – Portiers oder besser S. Germain des Fosses  – Portiers, denn in St. Germain de Fosses haben wir die Fahrt unterbrochen u. genächtigt. Das ist ein ganz unbe- deutendes Örtchen 12 km von Vichy u. das Wirtshaus hatte zwar den kostspieligen Namen Hôtel du Parc, aber sonst keine Vorteile d. Neuzeit. Dafür war der Hahn, das einzige das Lärm machte und das erst zur Frühstücksstunde. Wir haben in Avignon kein Telegramm aus Bayonne bekommen u. auch keinen telephonischen Anschluß. Doch haben wir d. Radiorede Chamberlains am 25. abends gehört, deren Ton un- sagbar wohltuend von dem hysterischen Bierbankgebrüll Hitlers abstach. Die Rede Chamberlains, die zuerst so hoffnungslos auszuklingen schien u. nachher es doch nahelegte den anderen „Vermittler“ schon vorauszufühlen. „Ich kann dieser Vermitt- ler nicht mehr sein.“ D. h. doch : ein andrer wird es sein. Ich hoffte auf Roosevelt  – dachte keinen Augenblick an Mussolini ! In d. Bahn am Nachmittag erreichte uns die Nachricht ! und zwei Stunden später in d. Abendausgabe die zweite der Sitzung Daladiers Chamberlains Mussolinis mit Hitler in München. Die war heute, d. h. zwei Sitzungen sollten heute sein, die letzte morgen, Freitag d. letzten früh. Und solang d. Sitzungen dauern, keine deutsche Mobilisierung  …39 Die Züge sind voll, aber schließlich bekommt jeder Platz. Sie sind nicht nur durch d. Einrücker voll (es ist jetzt Karte 3, dann 2 und noch 8 einberufen), noch mehr durch den Schulanfang u. die vielen Leute, die die ital[ienischen] Grenzstädte verlas- sen. Viele Pariser fahren trotz alledem nach Paris, pour régler les affaires, um nachher, wenn’s zum Krieg kommt, wieder aus Paris zu fliehen. Die Zeitungen sind voll mit Aufklärungen über d. Evakuierung der großen Städte  … Wir haben Bayonne eigentlich aufgegeben. Finden wir d. Museum in Poitiers of- fen, sodaß wir die Z[eichnung]en durchsehen können, wollen wir auch d. Nachbarorte, die wir auf d. Programm haben, in d. nächsten Tagen aufsuchen. Wenn es dennoch zum Krieg kommt, was wir absolut nicht glauben können, ist es uns gleichgültig, ob die französ[ische] Generalmobilisierung u. d. Ausbruch uns in Poitiers oder sagen wir Angers überfällt. Aber wir sehen die kleinen Orte, durch die wir durchkommen, schon daraufhin an, ob sie zum „Daueraufenthalt“ geeignet sind  …
back to the  book Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)"
Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Volume II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Title
Erica Tietze-Conrat
Subtitle
Tagebücher
Volume
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Editor
Alexandra Caruso
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
346
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Erica Tietze-Conrat