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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Noch gar nicht in derHochwasserrisikozonierung berücksichtigt ist Ober-
flächenwasser, dessen bisher unterschätztes Schadenspotenzial erst nach und
nach erkanntwird (siehe etwaBernet et al., 2017). Neben einer regelmäßigen
NachführungderZonierungmit demwachsendenundverbessertenmeteoro-
logischenundhydrologischenDatenmaterialundweiterenFortschritten inder
Behandlungkleinerer Fließgewässerwäre es alsonotwendig, inder Siedlungs-
wasserwirtschaftauchdieBedrohungdurchOberflächenwassereinzuschließen.
Eine richtige Balance zwischen Risikoabschätzung, Vertrauen in Schutz-
maßnahmen und Erinnerung an vergangene Ereignisse stellt auf lange Sicht
jedenfalls den besten Umgang einer Gesellschaft mit der Bedrohung durch
StarkregenundHochwasserdar (Viglioneet al., 2014).ObeinweitererAusbau
baulicher Schutzmaßnahmenoderdie Schaffung größererAusbreitungsräume
für Fließgewässer, also gewissermaßen das Gegenteil, die aussichtsreichere
Prävention gegen Starkregen und dessen Folgen sind, kann von Fall zu Fall
unterschiedlichsein.DieseFragemussvonpolitischenEntscheidungsträgernin
enger Zusammenarbeitmit Raumplanern, Ingenieuren,Klimatologen,Hydro-
logenundanderenFachleutenbehandeltwerden.
Manmuss sich allerdings auchvorAugenhalten, dass eineAbsiedlung aus
gefährdetenBereichen inderVergangenheit selbst nachverheerendenAnlass-
fällenwie etwademDonauhochwasser 2002nur inEinzelfällenundmit finan-
ziellenAnreizenklappte.EinepräventiveAufgabevonbisherigemKultur-oder
garWohnraumwirdalsokaumfunktionieren.Erfolgsversprechendererscheint
es, Lenkungseffekte etwa in Form von in Aussicht gestellter finanzieller Zu-
wendungenfüreineAufgabegefährdeterBereicheimkollektivenGedächtniszu
verankern,umanschließenddasMomentumauszunützen,das sich individuell
wiegesellschaftlichunmittelbar auseinemKatastrophenfall ergibt.
7.7.2 Hagel
Hagel stellt vor allem dank verbesserter Unwetterwarnungen heutzutage nur
nochinabsolutenAusnahmefälleneineGefahrfürLeibundLebendar.Hingegen
sind mögliche Schutzmaßnahmen gegen materielle Schäden vergleichsweise
beschränkt und konzentrieren sichmeist auf die unmittelbare Sicherung ge-
fährdeterhochwertigerGegenstände, z.B. indemeinFahrzeugnoch schnell in
eine Garage geparkt odermit Decken geschützt wird. Das enorme Schadens-
potenzial vonHagel bedingt, dass selbst solcheunkoordiniertenAd-hoc-Maß-
nahmen dennoch einen erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen.
DieserUmstandwurde–natürlich auch ausEigennutz – schon frühzeitig von
Versicherungenerkannt, die zudiesemZweckmitWetterdienstenkooperieren
StarkniederschlagundHagel166
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute