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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
undzurBedrohungvonSiedlungsraumundInfrastruktur führenkönnen.Die
Anwendung des Ansatzes auf Basis von Jährlichkeiten hilft bei diesen Pro-
zessen nur wenig weiter. Vielmehr ist es vorstellbar, dass fundierte Vorer-
kundungen (thematische Kartierungen, Inventarkarten, Chroniken etc.) in
Kombination mit Deformationsmessungen (v. a. durch flächendeckende
FernerkundungsmethodenwieInSARundLiDAR)dazubeitragen,bestehende
Massenbewegungen, die zu Reaktivierungen oder Beschleunigungsphasen
neigen, zu erfassenundbei raumplanerischenMaßnahmen zu berücksichti-
gen.
InpunktobaulicheMaßnahmen ist festzuhalten,dassdiese imAnrissgebiet
vonGroßmassenbewegungenoftnicht zielführendsind,da sie technischmeist
aufwändig unddamit unwirtschaftlich – odermitunter gar nicht herstellbar –
sind.MaßnahmenwieVernetzungen, die oft imAblösegebiet vonEreignissen
errichtet werden, dienen lediglich demAbfangen kleinvolumiger Nachstürze,
haben aber keinerlei Wirkung für große Massenbewegungen. Ebenso ist die
Beseitigung von potentiell instabilem Material nur in begrenztem Ausmaß
möglich.AuchimTransit-undAblagerungsgebietsindkonstruktivetechnische
Maßnahmenoftunwirksam,da siedengroßenEnergienderartigerMassenbe-
wegungenzuwenigWiderstandentgegensetzenkönnen.DieAusnahmedavon
bildenjeneMaßnahmen,diedafürausgelegtsinddasgefährdeteGebiet,z.B.mit
einer Trassenverlegung oder einerUntertunnelung, zu vermeiden. Bei langsa-
men Felsgleitungen und bei Erd-/Schuttstömen ist die Situation eine andere.
AufgrunddesgrößerenzeitlichenHandlungsspielraumeskannmitunter selbst
bei Extremereignissen (z.B. Haunsberg, Gschliefgraben oder Navis/Kersch-
baum) durch die Setzung von gezielten Maßnahmen, wie präventiven oder
nachfolgendenEntwässerungenderMasse (Drainageund schadloseAbleitung
vonOberflächen- undHangwässern), wesentlich zur Entschärfung derGefah-
rensituation beigetragen werden. Jedenfalls sind Maßnahmen durch inge-
nieurgeologische/geotechnischeExpertinnenoderExpertenlokalitätsspezifisch
zuplanen.DiesmussunterBerücksichtigungderjeweiligenProzesstypensowie
dergefährdetenObjektegeschehen(z.B.TurnerundSchuster, 1996;Fell et al.,
2000; SassaundCanuti, 2009undReferenzendarin).
Literatur
Abele, G., 1974. Bergstürze in denAlpen. Ihre Verbreitung,Morphologie und Folgeer-
scheinungen.WissenschaftlicheAlpenvereinshefte, 25, 230S.
Agliardi, F., Crosta, G., Zanchi, A., 2001. Structural constraints on deep-seated slope
deformationkinematics.EngineeringGeology, 59, S. 83–102.
Literatur 415
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute