Page - 428 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Image of the Page - 428 -
Text of the Page - 428 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
stand jedochzumeist das Springen, alsodie InteraktiondesFelsfragmentsmit
demUntergrundmittels episodischer Einschläge. Die übrigen Bewegungszu-
stände (Fallen,Gleitenund,Rollen) beobachtetmanvor allemamBeginnund
amEndeeinerTrajektorie.
Oftmalswird entsprechendderGröße der Fragmente zwischen Steinschlag
undBlockschlag unterschieden.Kienholz et al. (1998) definiert den Sturzpro-
zessvonisoliertenFelsfragmentenmiteinemmittlerenDurchmesser,0.5mals
Steinschlag und> 0.5m als Blockschlag. Diese Unterscheidung findet in der
aktuellenLiteraturundinderPraxis jedochnurmehrgeringeBeachtung,dasie
sichnicht auf denProzess, sondern lediglich auf dieGrößedes Fragments be-
zieht. Als prozessbedingtes Unterscheidungsmerkmal können die vorherr-
schenden Bewegungszuständewährend des Sturzprozesses dienen, wobei der
dominanteBewegungszustand(zumeistRollenoderSpringen) inhohemMaße
von der Fallhöhe, der Länge und der Morphologie (Hangneigung etc.) der
Sturzbahn,derBeschaffenheitderOberfläche (Oberflächenrauheit undDämp-
fung)unddenMaterialeigenschaftendes vorherrschendenGesteins (z.B.Ein-
fluss durchFragmentierung) abhängig ist. Es gibt aberdie generelle Beobach-
tung, dass große Blöcke im Vergleich zu kleineren Blöckenmehr Rollen als
Springen.
Sturzversuche an bewaldeten und nicht bewaldeten natürlichen Hängen
(SmithundDuffy,1990;Dorrenetal.,2006;Usiroetal.,2006;Pamminger2018;
Rauscher, 2018) und Rückrechnungen von Steinschlagereignissen haben ge-
zeigt,dassdiemaximalauftretendenProzessgeschwindigkeitenimAllgemeinen
bei 30 bis 35m/s liegen. Vereinzelt wurden jedoch auch schonGeschwindig-
keiten von über 45m/s beobachtet bzw. rückgerechnet (z.B. Liechtenstein-
klamm, sieheAbbildung01).
17.1.2 DefinitionFelssturz
Unter dem Prozess Felssturz versteht man den Abbruch (Disposition) einer
größerenmehroderwenigerkompaktenFelsmasse,diewährenddesAbbruchs
–entsprechend dem vorherrschenden Versagensmechanismus (Poisel und
Preh, 2004)– inSteineundBlöcke fragmentiert, die inweitererFolge alsmehr
oder weniger individuelle Fragmente talwärts stürzen. Bei diesemProzesstyp
hat die Interaktion der Fragmente untereinander während des demAbbruch
folgendenSturzprozesses»keinenmaßgeblichenEinfluss«aufdieMobilitätder
Sturzmasse.Die Fragmenteder Sturzmasse (SteineundBlöcke) verhalten sich
entsprechenddem imvorhergehendenKapitel definierten undbeschriebenen
ProzessSteinschlag.
SteinschlagundFelssturz428
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
back to the
book ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute